Wissen hat Wirkung

Was uns vertraut ist, fällt uns sofort ins Auge. Was wir benennen können, nehmen wir wahr. Doch das Unbekannte bleibt oft unsichtbar, selbst wenn es direkt vor uns liegt. Ein Arzt erkennt in einem Gesicht Zeichen einer Krankheit, die ein Laie schlicht übersieht. Ein Musiker hört in einem Stück Strukturen, die anderen verborgen bleiben. Wissen ist kein neutrales Werkzeug – es formt unseren Blick.

Das ist einerseits eine Stärke: Erfahrung schärft die Wahrnehmung. Andererseits birgt es eine stille Gefahr. Wer nur das sieht, was er bereits kennt, läuft Gefahr, in seiner eigenen Gedankenwelt gefangen zu bleiben. Neues wird übersehen, Fremdes missverstanden, Unerwartetes abgetan.

Goethes Worte sind deshalb auch eine Einladung: zur Neugier, zur Offenheit, zum lebenslangen Lernen. Denn je mehr wir wissen und verstehen, desto reicher und weiter wird die Welt, die wir erblicken können.

Die Hauptsache muss die Hauptsache bleiben

Ereignisse und persönliche Erlebnisse machen deutlich wie verblendet unsere Gesellschaft ist. Im Iran und Libanon werden Häuser und Schulen zerbombt, Familien mit (kleinen) Kindern müssen fliehen, übernachten in provisorischen Zelten oder unter freiem Himmel und kämpfen ums Überleben. Doch die Aufmacher in den Nachrichten sind, die hohen Spritpreise bei uns… Andere können sich leidenschaftlich gegen die Bezeichnung „Schwarze“ einsetzen oder das Thema „Gendern“ platzieren, als gehe es dabei um SEIN oder nicht SEIN. Das alles zeigt mir, es fehlt ein Koordinatensystem, das wertet, was ist wirklich wichtig und was ist nebensächlich oder sogar ganz und gar unwichtig. Was ist die Hauptsache? Das Leben in guten Beziehungen zu Mitmenschen und für Gläubige zu Gott, Arbeit und Werte, die einen Sinn verleihen, dazu gehört auch Gesundheit – körperlich und seelisch. Jesus sagt: „Der Dieb kommt, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten. Ich aber bringe Leben – und dies im Überfluss.“ (Joh.10, 10). Wir sind Gott dankbar, dies als Hauptsache sehen zu können.

Der Gefahr ins Auge schauen

Auf einer Boots-Safari in Sri Lanka konnten wir viele seltene Vögel und Tiere beobachten. Highlight war das noch nicht ausgewachsene Salzwasserkrokodil, das ich mit dem Teleobjektiv durch die vielen Äste eines Mangrovenbaums hindurch fotografieren konnte. Für mich ein gutes Foto zu unserem heutigen Spruch: „Ich bin Optimistin, die sich viele Sorgen macht!“. Nicht die Augen verschließen, sondern der Gefahr direkt ins Auge schauen, ohne in Angst und Panik zu verfallen, weil ich mir meiner Position bewusst bin. Vieles können wir jedoch selbst nicht groß oder gar nicht beeinflussen und macht uns berechtigterweise Sorgen. Augen zu und durch kann zu einem bösen Erwachen führen, sich in den Sorgen zu verlieren, raubt einem jegliche Energie. Wer dagegen die Probleme klar und deutlich sieht und vertraut, dass sie, egal wie, ggf. mit Gottes Hilfe lösbar sein werden, bleibt in einer guten lebenswerten Balance.

Nicht Ängste verschenken

Für das Leben ist die Fähigkeit Angst zu haben entscheidend, um in kritischen Situationen fokussiert reagieren zu können. Die Ängste von anderen zu übernehmen oder sich von anderen in Angst versetzen zu lassen, dafür ist Angst nicht vorgesehen.

Wer dauerhaft in Angst lebt, ist ständig im Ausnahmezustand, was der Gesundheit und der Psyche schadet.

Nicht jeder hat für sein Leben eine Zukunftsvision, aber es ist möglich sich mehr auf das Positive zu konzentrieren.

Wir erleben das mit unseren Enkelinnen, wie sie sich freuen können über die Blumen, die nach dem Winter wieder im Garten zu blühen beginnen. Wie sie sich freuen und sich an einen kuscheln, wenn eine Geschichte vorgelesen wird.

Auch für den Glauben ist die Freude ein wesentlicher Faktor. Paulus schreibt: „Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich euch: Freuet euch!“ Phil. 4,4.

Wir wünschen allen Gottes Segen mit diesen Gedanken.

Den eigenen Weg gehen

Vorgefertigte Wege wurden von anderen geebnet und bestimmt. Wer ihnen folgt, mag sich sicher fühlen, verzichtet aber auf die Chance, seinen eigenen, ganz persönlichen Pfad zu entdecken. Den eigenen Weg zu finden, bedeutet manchmal, durch unbekanntes Gelände zu wanden, manchmal verbunden mit Zweifel, Umwegen oder Sackgassen. Wenn wir jedoch so unserem inneren Kompass folgen, leben wir authentisch und reifen als Persönlichkeit. Natürlich muss nicht jeder Weg neu erfunden werden. Von anderen zu lernen, hat seinen Wert. Die Kunst liegt darin zu erkennen, wann wir bewusst einem bewährten Pfad folgen und wann wir nur aus Bequemlichkeit oder Angst den Spuren anderer folgen. Jesus hat solche Gedanken bereits in seiner wegweisenden Bergpredigt formuliert: „Das weite Tor und der breite Weg führen ins Verderben, und viele sind auf diesem Weg. Das enge Tor und der schmale Weg führen ins Leben, und nur wenige finden diesen Weg.“ (Matth. 7, 13-14.)

authentisch SEIN

Diese Frau aus Sri Lanka wohnt in einem kleinen Dorf, durch das wir im Urlaub bei einer Wanderung gekommen sind.

Für mich hat diese Frau so eine Ausstrahlung, dass ich sie gefragt habe, ob ich ein Foto von ihr machen darf, sie hat zugestimmt und hat sich über das Foto gefreut, als ich es ihr zeigte.

Diese Frau braucht keine Maske der Perfektion, ihr Strahlen kommt tief von innen heraus. Tradition und Glaube sind die Wurzeln, die einem Halt und Tiefe geben, auf denen sich das Leben erst entfalten kann. Zu einem authentischen Leben gehört, seine Wurzeln zu kennen und anzunehmen.

In der Bibel heißt es: „Gesegnet ist der Mensch, der auf den Herrn vertraut… Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und seine Wurzeln zum Bach ausstreckt.“ Jer. 17,7–8.

Wir wünschen allen Gottes Segen, Mut und Kraft sich täglich für Authentizität zu entscheiden.

Freiheit

Bei diesem Spruch fallen mir spontan Menschen ein, die großspurig von ihrer errungenen Freiheit reden und unaufhörlich schwärmen, wie glücklich sie sind. Theoretisch betrachtet: Absolute Freiheit ist Einsamkeit, absolute Abhängigkeit heißt Gefängnis. In wahrer Freiheit ist beides miteinander verwoben. Welche Abhängigkeiten akzeptiere ich, welche Normen und Werte der Gesellschaft, wieviel Nähe und Vertrauen in Beziehungen, auch ganz natürliche biologische Grenzen. Diese Bindungen bewusst zu akzeptieren und selbstbestimmt zu gestalten, das macht wahre Freiheit aus. Vor Goethe hat das Jesus freiheitsbessenen Menschen gesagt, die ihre Freiheit allein mit ihrer Herkunft begründeten: „Wenn euch also der Sohn Gottes befreit, dann seid ihr wirklich frei.“ Joh. 8, 36. Freiheit im christlichen Glauben ist allein an die Befreiung durch Jesus, den Sohn Gottes, gebunden. Wir wünschen allen Gottes Segen mit diesen Gedanken.

Perspektivwechsel

Man sagt landläufig „wenn’s läuft, läuft’s“ und meint dabei, alles funktioniert einwandfrei, auch ich selbst. Für solche Momente ist der heutige Spruch eine Chance im vertrauten Alltag Neues zu entdecken. Eine Reise nach Sri Lanka bewegt mich zu diesen Zeilen. Alles ist dort anders, angefangen vom Klima, über eine üppige Vegetation, die vielfältiges Obst, Gemüse, Reis und Tee hervorbringt. Sehr freundliche und zufriedene Menschen, die, wie es scheint, alle irgendeiner Art von Arbeit nachgehen. Probleme, die, entweder irgendwie gelöst oder akzeptiert werden. Religionen, die friedlich nebeneinander praktiziert werden, Buddhisten (Mehrheit), Hindus, Moslems und vereinzelt auch Christen. Unser Foto zeigt einen Blick vom Löwenfelsen, der 200 m aus der Umgebung herausragt. Für mich ein Bild, hin und wieder aus einer höheren Perspektive auf das eigene Leben und den Alltag zu schauen, um Neues zu entdecken, darüber zu staunen und dankbar zu sein.

Begegnung – nicht nur im Hier und Jetzt

Jetzt die vierte und letzte Spruchkarte zu dem großen Thema Begegnung. Begegnung findet ausschließlich im Hier und Jetzt statt. Trotzdem spielt die Vergangenheit, die eigene, die meines Gegenübers ggf. die gemeinsame, dabei eine bedeutende Rolle genauso wie der eigene Plan und Traum von der Zukunft sowie der Plan und Traum von der Zukunft meines Gegenübers. Die Vergangenheit ist immer mit dabei: Wir bringen unsere Erfahrungen, Prägungen und Wunden mit in jedes Gespräch. Frühere Beziehungen färben ab, wie wir andere wahrnehmen und auf sie reagieren. Die Kunst liegt darin, sich dieser drei Ebenen bewusst zu sein, ohne von ihnen beherrscht zu werden. Wer seine Vergangenheit kennt und seine Zukunftswünsche nicht verleugnet, kann frei im Hier und Jetzt dem anderen begegnen, authentisch sein, wirklich zuhören und den anderen so sehen, wie er ist. Wir wünschen allen Gottes Segen mit diesen Gedanken.

Innerer Friede

Wer innerlich unruhig, zerrissen oder im Konflikt mit sich selbst ist, projiziert diese Unruhe auf seine Beziehungen. Dabei wird im Außen nach etwas gesucht, das nur im Inneren gefunden werden kann. Selbst die harmonischste Begegnung wird einem nicht den Frieden schenken, auch wenn man sich noch so sehr danach sehnt. Innerer Frieden entsteht durch Selbstakzeptanz, durch das Annehmen dessen, was ist, und durch die Versöhnung mit der eigenen Geschichte. Wer gelernt hat, mit sich selbst im Reinen zu sein, kann wirklich friedvolle Beziehungen zu anderen aufbauen. Dann wird jede Begegnung nicht zur verzweifelten Suche nach Erfüllung, sondern zum Teilen dessen, was bereits in einem ist. Inneren Frieden finden ist möglich, man muss sich nur auf den Weg machen und dabei manche unangenehme Überraschung verkraften. Bei dem Thema kann der christliche Glaube unterstützen. Jesus fasst das im zweiten Teil der Summe von Geboten und Propheten so zusammen: „Du sollst deinen Nächsten lieben, so wie du dich selbst liebst“. (Matth. 22, 39) Wir wünschen allen Gottes Segen mit diesen Gedanken.