Vergebung

Vergebung wird oft fälschlicherweise als ein Geschenk an denjenigen betrachtet, der uns Unrecht getan hat. Dabei ist Vergebung weit mehr als das bloßes Vergessen von Unrecht – sie ist ein innerer Befreiungsschlag, der uns in drei Richtungen verändert:

    • Nach oben: Wir werden dankbarer, weil wir erkennen, dass Gnade schwerer wiegt als jedes Urteil.
    • Nach außen: Wir werden barmherziger, da wir die Unvollkommenheit unserer Mitmenschen mit neuen Augen sehen.
    • Nach innen: Wir werden wahrhaftiger, weil wir unsere eigenen Wunden und Fehltritte ohne Maske akzeptieren.

Letztlich heilt Vergebung nicht die Vergangenheit, aber sie öffnet die Tür zu einer Zukunft, in der wir nicht mehr Gefangene unserer Bitterkeit sind.

Wir wünschen allen Gottes Segen mit diesen Gedanken.

Auferstehung

In der Auferstehung liegt eine zutiefst hoffnungsvolle Botschaft: Aus Zerbrechen kann Neues entstehen. Was verloren schien, kehrt verwandelt zurück. Die neue Schöpfung beginnt nicht trotz des Leidens, sondern durch das Leid hindurch. Das gilt nicht nur im theologischen Sinne. Es spricht auch zu den Menschen im Alltag: Krisen, Verluste und dunkle Phasen tragen in sich das Potenzial zur Erneuerung. Wer durch schwere Zeiten gegangen ist, hat erlebt, dass das Leben danach ein anderes – oft tieferes – werden kann. Ostern lädt uns ein, den Blick zu weiten: nicht zurück auf die Wunden, sondern voraus auf das, was neu werden darf. Es ist ein Fest der Hoffnung – nicht als Verdrängung des Schmerzes, sondern als Versprechen, dass der Schmerz nicht das letzte Wort hat. Der Anfang der neuen Schöpfung beginnt genau dort, wo alles verloren scheint.

Auferstehung…

 

Der Auferstandene gehe mit dir, heute und an jedem neuen Morgen.

Auferstehung bedeutet: Das Leben ist stärker als der Tod und die Liebe stärker als die Angst.

Wo Dunkelheit dich umhüllt, leuchte dir das Osterlicht.

Wo der Tod sein Wort zu sprechen scheint, sage dir das Leben das letzte.

Wo Angst dein Herz befangen hält, sei dir die Liebe Gottes Befreiung.

Denn der Stein ist weggerollt und das Grab hat nicht das letzte Wort.

Wissen hat Wirkung

Was uns vertraut ist, fällt uns sofort ins Auge. Was wir benennen können, nehmen wir wahr. Doch das Unbekannte bleibt oft unsichtbar, selbst wenn es direkt vor uns liegt. Ein Arzt erkennt in einem Gesicht Zeichen einer Krankheit, die ein Laie schlicht übersieht. Ein Musiker hört in einem Stück Strukturen, die anderen verborgen bleiben. Wissen ist kein neutrales Werkzeug – es formt unseren Blick.

Das ist einerseits eine Stärke: Erfahrung schärft die Wahrnehmung. Andererseits birgt es eine stille Gefahr. Wer nur das sieht, was er bereits kennt, läuft Gefahr, in seiner eigenen Gedankenwelt gefangen zu bleiben. Neues wird übersehen, Fremdes missverstanden, Unerwartetes abgetan.

Goethes Worte sind deshalb auch eine Einladung: zur Neugier, zur Offenheit, zum lebenslangen Lernen. Denn je mehr wir wissen und verstehen, desto reicher und weiter wird die Welt, die wir erblicken können.

Die Hauptsache muss die Hauptsache bleiben

Ereignisse und persönliche Erlebnisse machen deutlich wie verblendet unsere Gesellschaft ist. Im Iran und Libanon werden Häuser und Schulen zerbombt, Familien mit (kleinen) Kindern müssen fliehen, übernachten in provisorischen Zelten oder unter freiem Himmel und kämpfen ums Überleben. Doch die Aufmacher in den Nachrichten sind, die hohen Spritpreise bei uns… Andere können sich leidenschaftlich gegen die Bezeichnung „Schwarze“ einsetzen oder das Thema „Gendern“ platzieren, als gehe es dabei um SEIN oder nicht SEIN. Das alles zeigt mir, es fehlt ein Koordinatensystem, das wertet, was ist wirklich wichtig und was ist nebensächlich oder sogar ganz und gar unwichtig. Was ist die Hauptsache? Das Leben in guten Beziehungen zu Mitmenschen und für Gläubige zu Gott, Arbeit und Werte, die einen Sinn verleihen, dazu gehört auch Gesundheit – körperlich und seelisch. Jesus sagt: „Der Dieb kommt, um zu stehlen, zu schlachten und zu vernichten. Ich aber bringe Leben – und dies im Überfluss.“ (Joh.10, 10). Wir sind Gott dankbar, dies als Hauptsache sehen zu können.

Der Gefahr ins Auge schauen

Auf einer Boots-Safari in Sri Lanka konnten wir viele seltene Vögel und Tiere beobachten. Highlight war das noch nicht ausgewachsene Salzwasserkrokodil, das ich mit dem Teleobjektiv durch die vielen Äste eines Mangrovenbaums hindurch fotografieren konnte. Für mich ein gutes Foto zu unserem heutigen Spruch: „Ich bin Optimistin, die sich viele Sorgen macht!“. Nicht die Augen verschließen, sondern der Gefahr direkt ins Auge schauen, ohne in Angst und Panik zu verfallen, weil ich mir meiner Position bewusst bin. Vieles können wir jedoch selbst nicht groß oder gar nicht beeinflussen und macht uns berechtigterweise Sorgen. Augen zu und durch kann zu einem bösen Erwachen führen, sich in den Sorgen zu verlieren, raubt einem jegliche Energie. Wer dagegen die Probleme klar und deutlich sieht und vertraut, dass sie, egal wie, ggf. mit Gottes Hilfe lösbar sein werden, bleibt in einer guten lebenswerten Balance.

Nicht Ängste verschenken

Für das Leben ist die Fähigkeit Angst zu haben entscheidend, um in kritischen Situationen fokussiert reagieren zu können. Die Ängste von anderen zu übernehmen oder sich von anderen in Angst versetzen zu lassen, dafür ist Angst nicht vorgesehen.

Wer dauerhaft in Angst lebt, ist ständig im Ausnahmezustand, was der Gesundheit und der Psyche schadet.

Nicht jeder hat für sein Leben eine Zukunftsvision, aber es ist möglich sich mehr auf das Positive zu konzentrieren.

Wir erleben das mit unseren Enkelinnen, wie sie sich freuen können über die Blumen, die nach dem Winter wieder im Garten zu blühen beginnen. Wie sie sich freuen und sich an einen kuscheln, wenn eine Geschichte vorgelesen wird.

Auch für den Glauben ist die Freude ein wesentlicher Faktor. Paulus schreibt: „Freuet euch in dem Herrn allewege, und abermals sage ich euch: Freuet euch!“ Phil. 4,4.

Wir wünschen allen Gottes Segen mit diesen Gedanken.

Den eigenen Weg gehen

Vorgefertigte Wege wurden von anderen geebnet und bestimmt. Wer ihnen folgt, mag sich sicher fühlen, verzichtet aber auf die Chance, seinen eigenen, ganz persönlichen Pfad zu entdecken. Den eigenen Weg zu finden, bedeutet manchmal, durch unbekanntes Gelände zu wanden, manchmal verbunden mit Zweifel, Umwegen oder Sackgassen. Wenn wir jedoch so unserem inneren Kompass folgen, leben wir authentisch und reifen als Persönlichkeit. Natürlich muss nicht jeder Weg neu erfunden werden. Von anderen zu lernen, hat seinen Wert. Die Kunst liegt darin zu erkennen, wann wir bewusst einem bewährten Pfad folgen und wann wir nur aus Bequemlichkeit oder Angst den Spuren anderer folgen. Jesus hat solche Gedanken bereits in seiner wegweisenden Bergpredigt formuliert: „Das weite Tor und der breite Weg führen ins Verderben, und viele sind auf diesem Weg. Das enge Tor und der schmale Weg führen ins Leben, und nur wenige finden diesen Weg.“ (Matth. 7, 13-14.)

authentisch SEIN

Diese Frau aus Sri Lanka wohnt in einem kleinen Dorf, durch das wir im Urlaub bei einer Wanderung gekommen sind.

Für mich hat diese Frau so eine Ausstrahlung, dass ich sie gefragt habe, ob ich ein Foto von ihr machen darf, sie hat zugestimmt und hat sich über das Foto gefreut, als ich es ihr zeigte.

Diese Frau braucht keine Maske der Perfektion, ihr Strahlen kommt tief von innen heraus. Tradition und Glaube sind die Wurzeln, die einem Halt und Tiefe geben, auf denen sich das Leben erst entfalten kann. Zu einem authentischen Leben gehört, seine Wurzeln zu kennen und anzunehmen.

In der Bibel heißt es: „Gesegnet ist der Mensch, der auf den Herrn vertraut… Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist und seine Wurzeln zum Bach ausstreckt.“ Jer. 17,7–8.

Wir wünschen allen Gottes Segen, Mut und Kraft sich täglich für Authentizität zu entscheiden.

Freiheit

Bei diesem Spruch fallen mir spontan Menschen ein, die großspurig von ihrer errungenen Freiheit reden und unaufhörlich schwärmen, wie glücklich sie sind. Theoretisch betrachtet: Absolute Freiheit ist Einsamkeit, absolute Abhängigkeit heißt Gefängnis. In wahrer Freiheit ist beides miteinander verwoben. Welche Abhängigkeiten akzeptiere ich, welche Normen und Werte der Gesellschaft, wieviel Nähe und Vertrauen in Beziehungen, auch ganz natürliche biologische Grenzen. Diese Bindungen bewusst zu akzeptieren und selbstbestimmt zu gestalten, das macht wahre Freiheit aus. Vor Goethe hat das Jesus freiheitsbessenen Menschen gesagt, die ihre Freiheit allein mit ihrer Herkunft begründeten: „Wenn euch also der Sohn Gottes befreit, dann seid ihr wirklich frei.“ Joh. 8, 36. Freiheit im christlichen Glauben ist allein an die Befreiung durch Jesus, den Sohn Gottes, gebunden. Wir wünschen allen Gottes Segen mit diesen Gedanken.