Selbstverständlichkeiten und die Folgen

Bis vor 2 Jahren habe ich eine Person aus der Ferne betreut, die im Leben oftmals die Schattenseite erlebt hat. Lange Zeit war das auch ein gutes Miteinander mit schönen ausgiebigen Telefonaten. Aber als sie mehr und mehr gesundheitliche Probleme einschränkten, nahmen die Anrufe zu, auch tagsüber ohne Rücksicht, dass ich während dieser Zeit arbeitete. Als ich hier Grenzen gezogen hatte, sagte sie mir: „Ich denke du bist Christ, dann musst du mir helfen.“ Wer etwas als Selbstverständlichkeit ansieht, wird wenig Dankbarkeit zeigen.

Schön ist es, wenn Gläubige soziales Engagement für sich als Selbstverständlichkeit ansehen und damit ganz natürlich überlegen, wie könnte ich helfen, wenn eine Not gesehen wird. Ein bekanntes Beispiel ist der Barmherzige Samariter in der Geschichte, die Jesus erzählte. Für den Samariter war es eine Selbstverständlichkeit Notleidenden zu helfen, er hörte auf sein Innerstes, brauchte keine Aufforderung oder Regel.

Es ist schade, dass Jesus die Reaktion von dem Geretteten nicht beschreibt, wie sehr sich sein Leben verändert hat nach dem unverdienten Geschenk der Rettung.

Beide, der barmherzige Samariter und der Gerettete, sind Menschen, die für Gläubige Bedeutung haben können.

Ehrfurcht, Verantwortung und Haltung

Der Spruch von Dietrich Bonhoeffer fasziniert mit besonders durch 3 Begriffe: Ehrfurcht, Verantwortung und Haltung. Ehrfurcht vor der Vergangenheit, wie immer sie auch erlebt wurde, sind meine Wurzeln. Verantwortung gegenüber der Zukunft, aktiv sein, wie handle ich gegenüber dem, was ich auf mich zukommen sehe. Die richtige/gesunde Haltung im Leben ist die Konsequenz aus Ehrfurcht vor der Vergangenheit und Verantwortung gegenüber der Zukunft. Haltungsprobleme, körperlicher Art, können viele gesundheitliche Störungen hervorrufen, dem stehen geistige und geistliche Haltungsprobleme nicht nach. Wer eine gesunde Haltung im Leben zeigt, kann leichter Ereignisse einordnen, kann leichter Entscheidungen treffen, hat einen guten inneren Kompass. Im christlichen Glauben kommt dazu, dass das Thema Vergangenheit inkl. aller Fehler und Versagen sogar in Dankbarkeit betrachtet werden kann, weil diese durch die Liebe und Gnade Gottes getilgt sind. Für die Zukunft haben Gläubige eine Perspektive, die alle menschlichen Vorstellungen übersteigt. Die daraus resultierende gesunde Glaubenshaltung ist ein Geschenk, für das wir Gott von ganzem Herzen dankbar sein dürfen.

So einfach wie möglich, aber nicht einfacher!!!

Der christliche Glaube ist ein Beziehungsglaube, das ist kinderleicht und gleichzeitig unheimlich schwer. Woran liegt das? Schwer ist es, weil wir nicht durch das Abarbeiten einer noch so guten Regelliste am Ende eine Beziehung entsteht, die von tiefem Vertrauen und Liebe geprägt ist. In einem Umfeld, wo im Umgang mit anderen vieles nicht selbstverständlich ist, können jedoch Regeln zu einem besseren Miteinander beitragen. Leicht ist der Beziehungsglaube für Menschen, die wie Kinder sich so angenommen haben wie sie sind, d. h. authentisch leben, und so auch ihre Beziehung zu Gott gestalten. Jesus sagt: „Ich versichere euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, werdet ihr nie ins Himmelreich kommen.“ Mt 18,3. Was für Kinder natürlich ist, scheint für viele Erwachsene ein komplexes Problem zu sein, einfach zu vertrauen, einfach zu lieben… schwierig, weil Erwachsene sich oft in ihren Rollen verlieren und deshalb nicht mehr wissen, wer sie wirklich sind. Es ist oft ein mühsamer Weg durch die vielen Verhärtungen ins Innere vorzudringen, um zu entdecken, was ich wirklich will, und welche tiefe Sehnsucht in mir schlummert. Wir wünschen allen Gottes Segen bei diesen Gedanken

Leben gelingt nicht auf Basis von Checklisten

In dem Buch „Die Praxis des ganzheitlichen Problemlösens“ werden für 3 Problemklassen Lösungswege beschrieben. Die erste Problemklasse, „Einfache Probleme“ sind wiederkehrende Probleme, für die es klare Anweisungen gibt, damit lässt sich jedes Problem einfach lösen. Unser heutiger Spruch fällt noch unter diese Klasse, wer das Leben eindimensional denkt, für den gibt es nur vorwärts oder zurück. Wenn bei solchen Menschen Umdenken gefordert ist, heißt das zwangsläufig zurück, eine Richtungsändern nach links oder rechts ist bei ihnen undenkbar. Was sich als überzeichnet anhört, nimmt leider massiv zu. Menschen fordern die „gute alte Zeit“ zurück oder Fromme beschwören „Back to the roots“ – „zurück zu den Wurzeln“. Zurück zu den einfachen Anweisungen. Der christliche Glaube ist ein Beziehungsglaube, dem werden auch praktisch hilfreiche Anweisungen in der Summe nicht gerecht. Eine lebendige Beziehung, geprägt von Vertrauen und Liebe, lässt sich nicht in Anweisungen regeln. Und Umdenken fordert massiv, bedeutet manches zu hinterfragen, um dann eine neue Richtung einzuschlagen. Wir wünschen allen Gottes Segen mit diesen Gedanken

Mit Freude seinen Weg gehen

Immer wieder begegne ich Menschen, die werben für ein ewiges Leben gekoppelt mit Entsagungen gegenüber (weltlichen) Freuden und leben damit in der ständigen Angst in irgendetwas zu geraten, durch das sie die Zusage des ewigen Lebens verlieren. Wer am Weg keine Freude hat, hat das Ziel verfehlt. Jesus macht zu Anfang seiner Bergpredigt deutlich, dass der Weg seiner Nachfolger von Freude geprägt ist, auch wenn einem dabei nicht immer zum Lachen zumute ist. Das Leben, das Jesus uns Menschen schenkt, schenkt er uns ja nicht erst auf der neuen Erde, sondern zu dem Zeitpunkt, an dem wir uns für ihn entscheiden. Auch das Reich Gottes wird nicht erst auf der neuen Erde aufgerichtet werden, sondern ist seit Jesu Erdendasein bereits mitten unter uns – jammerschade, dass dies oft so wenig sichtbar wird und damit vielen suchenden Menschen verborgen bleibt. Grund zur Freude ist, dass, egal wie groß unsere Schuld ist, wir Vergebung erfahren, wenn wir darum bitten, und damit frei, unbelastet, dankbar und fröhlich leben dürfen. Wir wünschen allen Gottes Segen und viele Freude auf ihrem Weg.

Gedenken

Vergangenen Sonntag waren wir am Holocaust-Mahnmal in Amsterdam, wenige Stunden nach dem nächtlichen massiven Angriff auf Israel durch den Iran. Bei dem Mahnmal ist auf jedem Ziegelstein ein Name mit Geburtsdatum und Alter aufgeführt, insgesamt 102 000 Namen derer, die in den KZs umgekommen sind – 1000 Backsteine ohne Namen stehen für die Namenlosen. Über den Namen in den Mauern sind Spiegel angebracht, in denen sich die Umgebung spiegelt und so die Gegenwart mit der Vergangenheit verbindet. Ziegelsteinstelen und Spiegel bilden von oben gesehen das hebräische Wort „Gedenken“. Wie geht man mit solch unmenschlichem Unrecht um? Wie kann Gedenken aussehen? Ein russisches Sprichwort sagt: „Vergib deinen Feinden, aber vergiss ihre Namen nicht“. Das Mahnmal zeigt für mich, „Gedenken“ verbindet Vergangenheit und Gegenwart. In der Vergangenheit stecken zu bleiben, ist genauso schädlich wie sie zu ignorieren. Solch ein Gedenken führt zu Schlussfolgerungen und Maßnahmen. Wir wünschen allen Gottes Segen hin und wieder Zeit und Ruhe zum Gedenken im Hier und Jetzt über Erfahrungen der Vergangenheit.

Vertraut SEIN mit Gott

Das Foto zeigt einen Baumstamm, der in der Donau schwimmt, und Bäume, die sich darin spiegeln, aufgenommen bei strahlendem Sonnenschein. Für mich ein Bild für Menschen, die alles etwas düster betrachten. Unser Spruch sagt, es geht nicht um (farbenfrohe) Erlebnisse und Visionen im Glauben, sondern um die Vertrautheit mit Gott, die das Leben froh macht. Wie viele Familien sind auf der Flucht und müssen oft unter menschenunwürdigen Gegebenheiten leben. Trotz der bedrückenden Situation zeigen manche dennoch eine gewisse Zufriedenheit, weil sie nicht allein sind, sondern als Familie zusammen sein können. Wir finden dies auch bei frisch Verliebten, egal was passiert, Hauptsache sie sind zusammen. In solch einer Vertrautheit dürfen Kinder Gottes leben und darüber dankbar und fröhlich sein. Diese Vertrautheit mit Gott wünschen wir allen.

Erlösung ist Sieg über die Sünde

Ostern ist vorbei, das Wetter war durchwachsen, hätte besser sein können!! War’s das?? Die Emmausjünger sprachen nach ihrer Begegnung mit dem auferstandenen Jesus: „Brannte nicht unser Herz in uns, da er mit uns redete auf dem Wege und uns die Schrift öffnete?“ Mir kam an Ostern wieder die Feststellung in der Süddeutschen Zeitung vor vielen Jahren in Erinnerung: „Wenn der Satz „Jesus lebt“ geglaubt würde, müssten den Christen eigentlich Flügel wachsen, die Gemeinden müssten vor Kraft strotzen, ihre begeisterten Mitglieder müssten an Ostern durch die Straßen rennen und jedem ins Ohr brüllen: „Gott lebt! Wirklich, er lebt!“ Stattdessen stehen sie mit allen anderen im Stau auf der Autobahn“. Was ist so wichtig geworden, dass das Zentrum im christlichen Glauben nicht mehr unübersehbar im Mittelpunkt steht? Wenn Christus zwar auferstanden ist, aber für mich keine fundamentale Relevanz mehr hat, was ist passiert? Mit diesen (selbst-) kritischen Gedanken wünschen wir auch dieses Mal allen eine gesegnete Woche.

Die Auferstehung Christi brachte die Zeitenwende

Es gibt nur eine „Zeitenwende“, für die dieser mächtige Begriff passt, das ist der Auferstehungstag, an den wir an Ostern gedenken. Vorher war es ein Versprechen Gottes, dass durch Opferung von Tieren Schuld und Sünde später vergeben sein werden. Seitdem Christus auferstanden ist, ist es Gewissheit; die Schuld und Sünde, die den Tod bedeuten, sind besiegt, und jeder, der um Vergebung bittet, darf sein Leben leben, daSchuld / Sünde getilgt sind ein für alle mal. Was vorher diffus und dämmerig war, erstrahlt jetzt im hellen Licht. Das strahlende Licht der Auferstehung von Christus macht das Leben hell, klar und farbenfroh. Wer dies immer wieder aufs Neue erlebt, fällt nicht mehr zurück in diffuss und dämmerige Zeiten. Dieses Licht der Auferstehung von Christus brauchen die Menschen in unserer heutigen so bedrückenden Welt mehr den je und sind deshalb dankbar, wenn sie Menschen treffen, die nicht nur an Ostern als Lichtträger leben. In diesem Sinne wünschen wir allen frohe und gesegnete Ostertage.

Verzeihen bedeutet Heilung für die Seele

Zu Beginn der Osterwoche soll das Thema vergeben / verzeihen im Fokus stehen. Verzeihen hat nichts mit „Schwamm drüber“ zu tun oder dem einfachen „sorry“, „‘tschuldigung“, „vergess mer‘s“… Das sind Ausweichmanöver eines schwachen Selbstwertgefühl.

Wer um Verzeihung bittet, wächst. Das Eingeständnis eines Fehlers zeigt, ich übernehme Verantwortung für mein Handeln, dadurch werden beidseitig bestehende negative Gefühle verringert (Schuldgefühl bei einem selbst, Gefühl der Enttäuschung oder des Zorns bei anderen).

Es ist eine Stärke, sich selbst eine Schwäche eingestehen zu können, und verhindert damit in eine Opferrolle zu verfallen. Leider wird oft vergessen, dass die Kernkompetenz im christlichen Glauben der Umgang mit Fehlern / Schuld / Sünde ist.

Die zentrale Botschaft von Ostern ist der einzige fehlerlose Mensch – Jesus Christus starb für die Schuld aller Menschen und vergibt den Menschen, die ihn von ganzem Herzen um Verzeihung bitten.

Im Vater unser bekennen wir zudem, dass dies keine Einbahnstraße ist „und vergib uns unsere Schuld, so wie wir unseren Schuldigern vergeben (haben)“.

Mit diesen Gedanken wünschen wir allen eine gesegnete Osterwoche