Der Weg zum Ziel ist das Ziel

Wir kennen alle den Spruch „Der Weg ist das Ziel“, der u.a. damit ausdrücken möchte, dass es wichtig ist, aufmerksam unterwegs zu sein im Hier und Jetzt. Kritik an dem Spruch besteht darin, dass sich alles schnell ändern kann und damit die Verlässlichkeit und Konstanz fehlt.

„Nur das Ziel ist das Ziel“ ist das Gegenstück dazu. Klar formuliert, geradeaus, egal, welche Hindernisse sich einem in den Weg stellen. Solche Menschen werden klassischerweise häufig verehrt. Sie haben sich ein Ziel gesetzt und lassen sich in ihrem Tunnelblick von nichts und niemandem aufhalten.

Nachdem ich mich viele Jahre mit dem Spruch auseinandergesetzt habe, hat sich folgende Formulierung herausgebildet: „Der Weg zum Ziel ist das Ziel“. Das Ziel bestimmt die Richtung in meinem Leben und führt gleichzeitig dazu, dass der Weg und was es darum herum gibt, ausreichend Beachtung finden kann.

Jesus sagt: »Ich bin der Weg, ich bin die Wahrheit, und ich bin das Leben. Zum Vater kommt man nur durch mich.  “ (Joh. 14,6). Mit Jesus unterwegs sein heißt leben in der Gewissheit Gottes Kind zu sein und mit Freude über all das, was wir mit ihm auf dem Weg nach Hause erleben dürfen – Danke für diese Zusicherung!

 

Tradition Segen oder Fluch?

Wenn die Welt immer komplizierter und komplexer wird und Änderungen in immer kürzeren Zyklen geschehen, sehnt man sich verständlicherweise nach Sicherheit und Stabilität.

Nicht wenige erliegen der Versuchung, die Lösung in der scheinbar heilen Welt der Vergangenheit zu suchen, die, je entfernter sie liegt, umso glänzender erscheint.

Es ist eine verhängnisvolle Flucht mit rückwärts gerichtetem Blick, der bewirkt, dass die wirklichen aktuellen Herausforderungen nicht mehr ernsthaft wahrgenommen werden. Damit entsteht eine Parallelwelt mit eigenen Gesetzmäßigkeiten, die, obwohl oft widersinnig, krampfhaft verteidigt werden.

Derweil waren herausragende Persönlichkeiten der Vergangenheit gerade deswegen herausragend, weil ihr Blick nicht rückwärtsgewandt war, sondern sie in ihrer Zeit im Hier und Heute fest verankert waren und sie deshalb das leisten konnten, was bis heute Beachtung und Bewunderung findet.

Dazu eine von vielen Weisheiten aus den Sprüchen 4,25: „Blicke stets nach vorn, richte deine Augen auf das, was vor dir liegt.“

Wir wünschen einen klaren nach vorne gerichteten Blick und Gottes Geist damit gut umzugehen.

Worte der Befreiung: „Es ist genug!“

Die Frage, die bei unserem heutigen Spruch mitschwingt, ist, wie kommt dieses Übermaß an Belastung, woher kommt der Druck, dass viele sich nicht mehr trauen „NEIN“ zu sagen, „mehr geht nicht“ oder „es ist bereits jetzt zuviel“?

Mancher knechtet sich selbst, weil im Innersten einer sagt: „du darfst nicht nein sagen!“ Oft sind es Aussagen von Vater oder Mutter in der Kindheit, die eingetrichtert wurden und bis heute Wirkung zeigen.

Im Glauben sind Aussagen von besonders geistlich angesehenen Menschen so verinnerlicht, dass diese unreflektiert einen immensen Druck ausüben, dass „es wird mir zu viel“ als Ungehorsam mit dem Verlust der Gotteskindschaft verbunden ist.

Dabei ist das Ziel des Glaubens genau entgegengesetzt: Jesus sagt: „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken…so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen“ (Matth. 11,28-29).

Der christliche Glauben ist eben ganz anders als unsere Alltagswirklichkeit – es wird nicht immer noch mehr aufgeladen, sondern wir dürfen abladen, und zwar bei Gott selbst. Das ist das Vorrecht, das Gottes Kinder haben, sie sollen leben – bereits jetzt und hier. Gott sei von Herzen Dank dafür.

Negatives wirkt intensiver als Positives

Was Martin Luther beschreibt, scheint wie ein Naturgesetz zu sein. Das Leben wird intensiver von negativen Erlebnissen beeinflusst als von positiven Erfahrungen. Dazu kommt, dass über Negatives viel mehr gesprochen wird und auch die Medien von schlechten Nachrichten dominiert werden. Wir sind jedoch dem nicht hilflos ausgeliefert, sondern jeder kann ganz bewusst Kontrapunkte setzen.

Bewusst in meiner Umgebung das Positive suchen und darüber in Gedanken verweilen. Bei negativen Informationen kann ich prüfen, ob ich das wissen muss und ob es gut ist, das zu wissen.

Wie im Leben, so auch im Glauben. Muss ich mich mit Gerichtsszenarien, Weltende, Glaubenskämpfen, Schuld und Sünden anderer beschäftigen wie manche, deren Blick krampfhaft darauf gerichtet ist? Es ist doch deutlich besser, sich mit der Liebe Gottes zu uns Menschen zu beschäftigen und mit seiner Gnade und seinen Wegweisern im Leben. Frei nach Eph. 4, 29: „Redet und hört, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Gnade bringe euch selbst und denen, die es hören.“

Das baut auf, weitet den Blick und erfüllt uns mit großer Dankbarkeit und bringt uns näher zu Gott.

Das ist unser Wunsch für jeden.

Hinter dem Horizont geht es weiter…

Vorweg eine kurze Erklärung zum Foto. Es handelt sich hier einen kleinen Teil eines Strauchs, der von Seidenspinnerraupen vollkommen eingewickelt wurde.

Nun zum Spruch. Jeder Mensch ist begrenzt im Denken und Handeln, wer klug ist, akzeptiert dies und handelt entsprechend. Wer dies nicht akzeptiert, tritt eher auf als ob er selbst Gott wäre. Doch darum geht es in unserem Spruch nicht, sondern darum, dass manche Menschen nicht bereit sind zu akzeptieren, dass es mehr gibt als was sie sehen, erklären oder gedanklich nachvollziehen können.

In der Bibel heißt es: „Denn meine Gedanken sind nicht eure Gedanken, und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der HERR“ (Jes. 55,8)

Es ist das Besondere des Glaubens zu wissen, es gibt wesentlich mehr als ich mir vorstellen kann, und zu vertrauen, dass Gott, der nicht begrenzt ist wie wir, es gut meint mit mir und seine unbegrenzten Möglichkeiten auch für mich nutzt.

Dieser Glaube gibt Geborgenheit und weitet den eigenen Horizont – Gott sei von Herzen Dank dafür.

Rückgrat zeigen – Wirbel aushalten

Dieses Mal zwei Texte, zum Nachdenken.

Bettina Wegener: „Sind so kleine Hände, winz’ge Finger dran. Darf man nie drauf schlagen, die zerbrechen dann… Sind so kleine Ohren, scharf und ihr erlaubt. Darf man nie zerbrüllen, werden davon taub. Sind so schöne Münder, sprechen alles aus. Darf man nie verbieten, kommt sonst nichts mehr raus. Sind so klare Augen, die noch alles seh’n. Darf man nie verbinden, könn’n sie nichts versteh’n. Sind so kleine Seelen, offen und ganz frei. Darf man niemals quälen, geh’n kaputt dabei. Ist so’n kleines Rückgrat, sieht man fast noch nicht. Darf man niemals beugen, weil es sonst zerbricht. Grade klare Menschen, wär’n ein schönes Ziel. Leute ohne Rückgrat, hab’n wir schon zuviel.“

Jesus:Ich versichere euch: Wenn ihr euch nicht ändert und so werdet wie die Kinder, kommt ihr ganz sicher nicht in Gottes himmlisches Reich.“ (Matth. 18,3).

Wir wünschen allen Gottes Beistand, als grade und klare Menschen im Lutherjahr ein Zeichen zu setzen und die daraus entstehenden Böen mit Gottes Hilfe zu meistern.

Bücher sollten nicht die einzigen Freunde sein

Es tut gut, sich regelmäßig vom Trubel und Druck des Alltags zurückzuziehen, um in ein gutes Buch abzutauchen.

Heute geht es darum, Bücher sollten die einzigen Freunde sein. Bücher bieten fest fixierten Inhalt, alles schwarz auf weiß. Kommunikations- und Beziehungsfähigkeiten sind nicht gefordert und werden deshalb auch nicht gefördert. Gerade deshalb sind Bücher für manche eine Flucht vor dem Alltag.

Der christliche Glaube ist Beziehungsglaube zu Jesus Christus, der uns in der Bibel nahegebracht wird. Wie im Leben stärkt einen das regelmäßige Lesen der Bibel im Alltag. Aber ebenso kann die Bibel auch Flucht sein, um reduzierte Kommunikations- und Beziehungsfähigkeit zu kompensieren.

Jesus spricht dies wie immer klar und offen an: „Ihr sucht in den Schriften, denn ihr meint, ihr habt das ewige Leben darin; und sie sind’s, die von mir zeugen; aber ihr wollt nicht zu mir kommen, dass ihr das Leben hättet.“ (Joh. 5, 39-40)

Das Leben ist nicht das Ergebnis verbissener Bibelkenntnis, sondern allein das Geschenk durch Jesus Christus. Es bereichert das Leben ungemein, während Erkenntnisglaube die Regale der Bibliotheken füllt, zur Überheblichkeit verleitet und Beziehungsunfähigkeit weiter verfestigt.

Wir wünschen allen viel Freude an dieser persönlichen Beziehung zu Jesus Christus

Die 3 wesentlichen Beziehungen im Glauben

Der Spruch von Martin Luther ist einfach und faszinierend, er beschreibt die drei wesentlichen Beziehungen im christlichen Glauben:

  • Der Mensch und seine Beziehung zu sich selbst
  • Gott, zu dem der Mensch sich im Vertrauen zuwendet
  • Der Mitmensch, der durch die selbst erlebte Liebe Gottes besondere Wertschätzung erhält.

Voraussetzung ist in einem gewissen Maß vertrauen zu können. Wenn dieses Vertrauen auch die Beziehung zu Gott prägt, dann kann der Mensch etwas von der unendlichen Liebe Gottes spüren, die ihn erwärmt und motiviert, diese Liebe in die Beziehung zu seinen Mitmenschen zu investieren.

Es sind diese 3 Beziehungen, die im christlichen Glauben wesentlich sind. Die Kirche hat als Organisation die Aufgabe, Räume zu schaffen, dass diese Beziehung zu sich selbst, zu Gott und zu den Mitmenschen entstehen und sich weiterentwickeln kann. Wenn eine Organisation sich in diese Dreierbeziehung hineindrängt, verlagert das Ganze seinen Schwerpunkt.

Wir wünschen allen einen Raum zu haben, in dem jeder selbst, sein Vertrauen in Gott und seine Liebe zu den Mitmenschen wachsen kann.

Missbrauch in geschlossenen Systemen

In dem Kinderbuch Pippi Langstrumpf gibt es dieses bekannte Kinderlied: „2 x 3 macht 4 widdewiddewitt und 3 macht 9e!! Ich mach‘ mir die Welt Widdewidde wie sie mir gefällt..“ Heute schaffen sich nicht nur Kinder eine eigene Welt, heute sind es Erwachsene in mächtigen Verantwortungsfunktionen. Kritik an diesen eigenen Welten wird massiv bekämpft, Tatsachen werden geleugnet – Fake News, Alternative Fakten, Lügenpresse…

Doch darum soll es heute gar nicht gehen. Es geht um unsere eigene Welt und die Reflexion, wie geschlossen ist meine eigene Welt oder – allgemein ausgedrückt – meine Systeme, in denen ich mich bewege? Wie wird dort die Realität wahrgenommen, was zählt Information oder Interpretation, wer bestimmt, wie Personen beurteilt werden, wie offen dürfen eigene Meinungen geäußert werden, darf man selbstständig denken oder wird das als gefährlich, oder gar verwerflich angesehen…

Paulus fordert uns auf: „Prüft aber alles und das Gute behaltet.“ (1. Thess. 5,21).

Modern ausgedrückt: „Scannt alles, löscht den Schrott und behaltet nur die guten Sachen“ (Volxbibel)1616

Selber sehen und sich selbst damit auseinanderzusetzen, was um mich herum passiert, selbst zu urteilen und dazu zu stehen. So sammelt sich immer mehr Gutes in meinem Leben und meinem Glauben – was für ein Vorrecht!

Wozu ist allemal besser als Warum

W8enn wir eine Situation beurteilen, ist der Blick meist darauf gerichtet, ob es eher angenehm, eher unangenehm oder sogar absolut unangenehm war. Mit demselben Muster bewerten wir unsere Sicht auf die Zukunft.

Unser Spruch lenkt den Blick heute auf das, was in uns liegt. Wie kann das, was an Talenten und Eigenschaften in uns liegt, sich entfalten?

Manches wird gefördert in positiven Situationen, wo wir Motivation von anderen erfahren oder Erfolgserlebnisse uns anspornen, Neues auszuprobieren oder zu entdecken.

Manchmal sind es schwierige Situationen, die vielleicht sogar ans Eingemachte gehen, aber dabei etwas in einem aufbricht, was sonst nie zum Vorschein gekommen wäre.

Enttäuschungen im persönlichen Umfeld sind besonders schmerzlich, die häufige Frage ist dann meist WARUM?

Mit ein wenig Abstand ist die Frage WOZU viel hilfreicher.

Gott hat in jeden Menschen viel an Talenten und Fähigkeiten gelegt, die es ein Leben lang zu entdecken und zu entwickeln gilt. Deshalb können außergewöhnliche Situationen oder geplatzte Träume mit Gottes Hilfe zu einem ganz besonderen Meilenstein im Leben werden, die man im Rückblick nicht mehr missen möchte.