Ich suche nicht, ich finde

An einem Gebetsabend habe ich im Gespräch spontan das heutige Zitat Pablo Picassos verwendet. Thema war „wie finde ich die Menschen, die Hilfe benötigen und denen ich helfen kann“. Da ich mit dieser Aussage ziemlich alleinstand, habe ich mir anschließend überlegt, schwingt hier evtl. Arroganz mit? Wenn „ich suche“, fokussiere ich mich und hab damit bereits eine Eingrenzung vorgenommen. Diese Fokussierung reduziert meine Aufmerksamkeit automatisch in anderen Bereichen. In der Aussage „ich finde“ gehe ich mit offenen Augen durch die Welt. Ich suche nichts Bestimmtes und bin daher für vieles offen. Hin und wieder kommt eine Idee, die als Hilfe für andere umgesetzt werden kann. So verstehe ich auch die von Jesus beschriebene Gruppe in Matth. 25, der gar nicht bewusst war, wo sie überall geholfen haben – sie haben einfach Nöte (Krankheit, Hunger, Gefangenschaft) gesehen und darauf reagiert. Die kommende, eigentlich besinnliche Zeit lebt ganz besonders von Menschen, die mit offenen Augen durch die Welt gehen.

Sag mir, für wen du dich hältst…

…Der Inkompetente tritt immer als Fachmann auf, der Grausame als Barmherziger, der Sünder als Frommer, der Wucherer als Wohltäter, der Schäbige als Patriot, der Arrogante als Demütiger, der Plebejer als edler Herr und der Einfaltspinsel als Intellektueller.“ (aus dem Roman „Das Spiel des Engels“)

Wie schwer es ist, im Umfeld solcher Menschen (über-) leben zu können, verdeutlich Jesus in der Geschichte vom Pharisäer und dem Zöllner mit einer gnadenlos ehrlichen Einleitung. „Jesus wandte sich nun an einige, die in ´falschem` Selbstvertrauen meinten, ´in Gottes Augen` gerecht zu sein, und die deshalb für die anderen nur Verachtung übrig hatten … (Lk. 18,9)

Jesus durchschaut die Schauspieler und stellt sie bloß, das hat er mit seinem Leben bezahlen müssen, denn rüttelt jemand an solch einem Fassadengebäude, wird wahnsinnig viel Energie aktiviert – es geht hier immer um Leben und Tod.

Es hilft uns, solche Systeme zu durchschauen, um sich vor solchen Menschen so gut es geht zu schützen, um weiter im Vertrauen zu Gott, zu sich selbst und zu seinen Nächsten in guter Beziehung leben zu können.

Wir sind vielleicht Gegner, aber wir sind keine Feinde

Es ist erstaunlich, wie die Anzahl der Gläubigen massiv ansteigt. Selten gab es so viele, die glaubten, dass nur sie den wahren Durchblick haben oder sogar im Besitz der Wahrheit sind und deshalb mit Überzeugung alle Andersdenkenden als Lügner betrachten oder sogar als Feind bekämpfen.

Am Wochenende hatte ich eine lebhafte Diskussion mit meinem jüngeren Sohn. Irgendwie sind wir auf das Thema Ordnung gekommen. Er hat mir nebenbei empfohlen mein Arbeitszimmer mal richtig aufzuräumen. Das hat gesessen, ich habe ihm heftig widersprochen mit richtig guten Argumenten, aber er hat genauso wie ich nicht mit guten Argumenten gespart, so dass wir keinen Konsens gefunden haben. Hatten wir deshalb Streit, nicht die Bohne, aber das Thema hat nachgewirkt, und ich habe mich gefragt, was ist das Thema hinter dem Thema bei mir und meinem Sohn. Tage später sind mir wertvolle Einsichten über mich selbst gekommen, ohne dass sich am Ordnungsgrad im Arbeitszimmer etwas geändert hat.

Andersdenkende Menschen, die zu ihrer Meinung und Position stehen und argumentativ vertreten können, sind wertvolle Menschen, die notwendig sind, um persönlich reifen zu können.

Alles im Leben als Geschenk sehen

Mit Entsetzen habe ich die Äußerungen eines amtierenden Präsidenten nach der Wahl mitbekommen. „Ich nehme mir was ich will, alle, die mich nicht willenlos unterstützen, sind Betrüger und Feinde der Demokratie.“ Fazit, nur der ist erfolgreich, der skrupellos sich nimmt, was er will und sein eigenes Verhalten anderen unterstellt. Das steht im krassen Kontrast zum heutigen Spruch. Ein tiefes und erfolgreiches Leben hat der, der alles im Leben als Geschenk sieht. Auf ein Geschenk habe ich keinen Anspruch, genau dies bewirkt Zufriedenheit und Dankbarkeit. Was Gott uns anbietet ist ein Geschenk; er bietet uns Leben an, das über den zwangsläufigen Tod hinausreicht. Auch hat Gott jeden Menschen mit Gaben und Fähigkeiten beschenkt, aus denen der Mensch viel oder mit denen auch mancher (vorerst) nicht viel anfangen kann. Je mehr wir Gottes Geist an uns wirken lassen, umso mehr spüren wir, dass alles im Leben ein Geschenk ist. Das bringt Lebensqualität und innere Ruhe, in der sich Gottes Liebe spiegeln wird.

Glückliches Leben leben

An dem Spruch von Albert Einstein gefällt mir, wie einfach das Verlangen nach einem glücklichen Leben erreicht werden kann.

Jesus stellt das menschliche Verlangen nach einem glücklichen Leben ganz an den Anfang seiner Wirksamkeit. Seine Grundsatzpredigt beginnt mit „glücklich sind…“ und dies gleich 9 Mal. Damit steckt Jesus gleich den Rahmen ab, in dem sich der christliche Glaube bewegt, es geht ums glücklich sein.

Jesus verknüpft dieses glücklich sein nicht mit Dingen oder Menschen, wie „glücklich darf sein, wer eine schöne Wohnung besitzt“ oder „glücklich darf sein, wer einen lieben Partner oder liebe Kinder oder Eltern hat“.

Das „nachhaltige“ Glücklichsein steht über den Dingen und Menschen. Glücklich sind, die Trost finden in Traurigkeit, die freundlich und bescheiden sein können, die sich nach Gerechtigkeit sehnen, die barmherzig sind, die ein reines Herz haben und sich um Frieden bemühen, ja selbst wer angeprangert wird aus genau diesen Gründen darf sich glücklich schätzen. Mit diesen Aussagen wird auch deutlich, jeder Gläubige entscheidet selbst, ob er glücklich ist oder nicht, ein super Angebot – herzlichen Dank dafür.

Die Lichtgestalt…

Eine Lichtgestalt wird angesehen als Heilsbringer, Hoffnungsträger oder Idol. Als Beispiel wird häufig Nelson Mandela oder Mahatma Gandhi genannt. In Deutschland galt lange Zeit unser „Kaiser“ als Lichtgestalt, bis nach und nach Details der Fußballweltmeisterschaft 2006 „ans Licht“ kamen. Es scheint ein breites Bedürfnis der Menschen nach einer Lichtgestalt zu geben, was den Erfolg mancher Inszenierung erklärt, wo zwielichtige Typen mit Pathos das Scheinwerferlicht auf sich ziehen, um gleichzeitig andere in den Schatten zu stellen. Einmal den Strom abschalten – aus ist es mit der Lichtgestalt. Jesus sagt, nachdem er von besonders Frommen mit einer zwielichtigen Situation konfrontiert hatte: »Ich bin das Licht der Welt. Wer mir nachfolgt, braucht nicht im Dunkeln umherzuirren, denn er wird das Licht haben, das zum Leben führt.« (Joh. 8,12) Hier spricht eine Lichtgestalt, die keinen Scheinwerfer braucht, sie stellt andere auch nicht in den Schatten, um noch mehr zu leuchten, sondern verspricht gerade Menschen Orientierung zum Leben, bei denen es zwielichtig oder sogar finster ist. Herzlichen Dank, für diese wertvolle Botschaft gerade in der aktuellen Situation.

Freundlichkeit schafft Vertrauen, Tiefe, Liebe

Heute Morgen fand ich folgenden Spruch in der Zeitung: „Jeder Groll, jede Bitterkeit, jeder Hass ist eine Selbstvergiftung“.

Unser Spruch beschreibt nicht nur die Abwesenheit von Groll, Bitterkeit und Hass, sondern eine innere Freundlichkeit, ein Wohlwollen, das sich in Worten, im Denken und Geben ausdrückt. Diese grundlegende Erkenntnis ist über 2600 Jahre alt und schafft das für gute Beziehungen elementare Vertrauen, bringt Tiefe im Leben und damit Selbsterkenntnis und schließlich wird an der Gebefreudigkeit Liebe sichtbar.

Das alles brauchen wir heute mehr denn je, wo die eigene Inszenierung immer wichtiger zu werden scheint, die einem viel vorgaukelt, derer Oberflächlichkeit man jedoch keinesfalls vertrauen darf. Geben ist out, heute ist ein Deal angesagt, wer keine gute Deals machen kann ist ein Loser (Versager). Das Leben und der Glauben basiert seit eh und je auf guten Beziehungen, die sich durch gegenseitiges Vertrauen auszeichnen. Voraussetzung dazu ist eine gute Selbsterkenntnis, das alles wird lebendig durch Liebe (Du sollst lieben von ganzem Herzen… und deinen Nächsten wie dich selbst)

Schutz vor Verschwörungstheorien

In Zeit-Online fand ich ein sehr aufschlussreiches Video zum Thema Verschwörungstheorien. „Vom Loser zum Messias – Verschwörungsideologen inszenieren sich im Internet als furchtlose Helden.“ Wesentlich ist dabei die Sucht nach Wichtigkeit.

Das Thema ist hochaktuell, erschreckenderweise selbst in manchen christlichen Kreisen. Was ist der Nährboden für solch eine Wichtigtuerei, wo doch gerade Jesus und die Apostel auf unzählige Weise deutlich machen, dass jeder Mensch von Gott geliebt wird und nicht mehr tun kann als diese Liebe anzunehmen in all seiner Unvollkommenheit. Jesus verdeutlicht dies provokant in der Geschichte (Luk. 18, 9-14), der Wichtigtuer geht nicht gerechtfertigt aus dem Tempel, sondern der Mensch, der so wie er ist vor Gott gekommen ist und anschließend seinen Weg geht in der Gewissheit, angekommen zu sein.

Es ist diese Gewissheit angenommen zu sein, von Menschen und von Gott, die Freude ins Leben bringt und selbst in schwierigen Situationen nicht in Wut und Hass umschlagen wird.

Danke lieber Gott für diesen einfachen und wirksamen Schutz gegen jede Art von Verschwörungstheorien.

Alles richtig machen zu wollen ist oft falsch

Viele fragen sich, was ist richtig um einen zweiten Coronalockdown zu verhindern.

Manche erwarten eine einheitliche Regelung. Das hört sich gut an, wäre aber völlig ungerecht, weil die Gebiete, die geringe Infektionen haben, sich genauso einschränken müssten wie Gebiete, die mit hohen Infektionszahlen zu kämpfen haben.

Wenn man differenziert vorgeht, muss abgewogen werden, für welche Ebene (Bundesland, Landkreis, Ort, Bezirk) gelten die Maßnahmen, ab wann und wie lange.

Es ist zu beobachten, dass die Verantwortlichen täglich dazulernen, weil durch Studien das Virus immer mehr verstanden wird und die Maßnahmen daraufhin angepasst werden können.

Für mich ist das ein sehr gutes Beispiel, dass Regeln nichts Absolutes darstellen, sondern Regeln einem Zweck oder Ziel dienen. Der Zweck und das Ziel sind absolut zu sehen, daraus sind Regeln abzuleiten, die die besondere Situation berücksichtigen. Im Extremfall können diese Regeln sehr unterschiedlich ausfallen und dabei trotzdem alle richtig sein.

Das fordert ein gewissen Maß an Denkvermögen all derjenigen, die Regeln festzulegen haben, genauso wie derjenigen, die die Regeln einzuhalten haben. Nicht immer einfach, aber vom Ergebnis her das Beste.

Wir wünschen allen Gottes Segen, Kraft und Geduld bei all den aktuellen Herausforderungen

Perfektion zerstört Vollkommenheit

Der heutige Spruch ist schwieriger als anfangs gedacht, aber Angelika liefert folgende passende Beispiele:

– Ein Kind ist vollkommen gesund, spielt und lacht, aber wer erwartet ein perfektes Kind zu haben, wird trotzdem nicht große Freunde an dem Kind haben.

– Ein vollkommen schöner Urlaubstag geht zu Ende, wer jedoch einen perfekten Urlaubstag im Hinterkopf hat, kann mäkeln, dass der Weg zum Strand doch ein paar Meter zu weit war, dass die Sonne doch etwas zu heiß war…

Perfektion zielt auf eine ideale Welt, in der es nichts, aber auch gar nichts von niemandem etwas auszusetzen gibt. Das ist irreal und führt zwangsläufig zu Frustration und Enttäuschung und zerstört, was an Gutem bereits existiert.

Unsere Mitmenschen sind alle vollkommene Menschen, trotzdem sie teilweise extrem unterschiedlich sind. Es gilt Menschen anzunehmen, wie sie sind, sich auch darüber zu freuen, dass sie ganz anders sind als man selbst. Das Gute findet man überall, bei Menschen mit ihren Schwächen, in Situationen, die auch unangenehm sein können. Jesus verwendet „vollkommen“ in der Bergpredigt im Zusammenhang mit der Feindesliebe.

Es lohnt sich über den schwierigen Begriff „vollkommen“ nachzudenken.