Verpackung oft wichtiger als Inhalt

Es ist leider trauriger Alltag in vielen Unternehmen, dass man obere Führungsebenen mit viel Aufwand und Kreativität überzeugen muss, a) dass ein Problem existiert, b) dass das Problem gravierend ist, und c) gleichzeitig 2-3 Lösungsmöglichkeiten aufzeigt mit einer Gegenüberstellung der Vor- und Nachteile und der daraus basierten Empfehlung zur Entscheidung. So kann dann eine Entscheidung getroffen werden, ohne sich mit dem Problem näher auseinander zu müssen. Meine Beobachtung zeigt, dass diese Topmanagementeinstellung sich auch mehr und mehr bei Normalbürgern breit macht. Sich mit Fakten und Details zu beschäftigen, ist mühsam. Verkäufer (getarnt als Berater) einfacher Lösungen von komplexen Themen haben Hochkonjunktur. Eine einfache pauschale Erklärung des Problems, garniert mit einem konkreten Feindbild und eine daraus folgende alternativlose Lösung prägt immer mehr das Denken ganzer Bevölkerungsbereiche. Das Ganze spielt sich nicht nur beim Thema Impfen, Klimawandel, Flüchtlinge … ab, sondern diese Einstellung findet sich auch in manchen christlichen Kreisen.

Solang du in dir selber nicht zu Hause bist

Zu diesem Spruch erinnere ich mich an folgenden Liedtext von Peter Horton:
  • Solang du in dir selber nicht zu Hause bist, bist du nirgendwo zu Haus‘, solange Leben bei dir nur in der Pause ist, kommst du aus dem Kreislauf nicht heraus.
  • Über das Land eilen die großen grauen Straßen, und Istanbul liegt an derselben wie Bayreuth, und obwohl die Blechlawinen Milliarden Meilen fraßen sind die Wege immer noch so weit.
  • Und wir lauschen sehnsuchtsvoll den monotonen Worten aus den Lautsprechern der Flughäfen der Welt, und hören träumend all die Namen von den je-ferner-desto-lieber-Orten und glauben, dass es uns dort mehr als hier gefällt.
Wir wünschen allen eine gesegnete Sommerzeit mit viel Gelegenheiten bei sich selbst zu Hause zu sein in guter Gemeinschaft mit Gott.

So wie du an Gott glaubst, hast du ihn

Es gibt große Unterschiede wie Gläubige Gott sehen und mit ihm leben. Die Einen fühlen sich von Gott bedingungslos getragen und angenommen, andere wiederum versuchen durch ein „gottgefälliges Leben“ sich Anerkennung bei demselben Gott zu verschaffen in der Hoffnung, dass es am Ende reichen wird.

Mein Bild von Gott sagt etwas aus über die Beziehung zu IHM. Wenn ich ihn als Vater sehe und so mit ihm lebe, sehe ich mich als sein Kind. Wenn ich Gott als Richter sehe, werde ich peinlich genau auf mein Handeln achten, oftmals auch auf das Handeln anderer – meist mit zusätzlicher Bewertung.

Welches Bild von Gott ist nun richtig und welches falsch?

Martin Luther macht deutlich, so wie wir ihn sehen, so wird er uns begegnen, denn beide Sichtweisen sind richtig.

Wenn ich mich als sein Kind sehe, wird er mir als liebevoller und gütiger Vater begegnen.

Wenn ich meine, auf ein tadelloses Verhalten peinlich achten zu müssen, könnte es sein, dass er mir als gnadenloser Richter mit dem Maßstab für Sündlosigkeit begegnen wird.

Das Tolle an Gott ist, er lässt jedem Einzelnen die Entscheidung, wie er uns begegnen wird – Gott sei Dank dafür.

Werden heißt abwarten und geduldig sein

Es gibt Menschen, für die scheint es existenziell zu sein, wo immer es geht im Scheinwerferlicht zu stehen, um damit gleichzeitig andere in den Schatten zu stellen. Beim genauen Hinsehen ist meist zu erkennen, dass es im Innern solcher Lichtgestalten häufig ganz finster ist. Nicht vom Inszenieren, sondern vom Werden handelt unser heutiger Spruch. Alles Werden braucht seine Zeit. Menschen, die sich diese Zeit geben, werden zur ihrer Zeit aufblühen in ihrer eigenen besonderen Art und andere damit auf ganz natürliche Weise erfreuen und in Begegnungen glücklich machen. So gestalten sich auch die Begegnungen mit unserem Gott: „Schmeckt und seht, dass der Herr gut ist. Freuen darf sich, wer auf ihn vertraut!“ (Ps. 34, 9). Ein Leben mit so einem Gott bringt Freude und bereichert das Leben. Nach solchen Begegnungen fällt das Vertrauen in IHN deutlich leichter. Wir wünschen allen viel Geduld im eigenen Werden und freudige Begegnungen mit Gott.

Normalität als etwas Besonderes sehen

Angesichts der dramatischen Ereignisse in den letzten Tagen ist bei einer Radtour dieses Motiv wichtig geworden. Eine komplette Straße mit einem funktionierenden Gully, dazu ein paar schöne Blumen auf dem Gehweg – plötzlich etwas Besonderes. In diesen Tagen wird einem bewusst, dass es bereits etwas Besonderes ist, wenn Normalität herrscht. Wir merken, auf welch wackligen Füssen all das steht, was wir als feste und sichere Größe betrachten. Die Katastrophe hat auch eine Welle der Hilfsbereitschaft bei vielen Menschen freispült. Menschen, die alles verloren haben, sind überwältigt von völlig unbekannten Helfern, die ohne Ankündigung in Gummistiefeln und mit Schaufeln ihnen zur Seite stehen. Jesus beschreibt in seiner Geschichte vom Weltgericht die Sensibilität und das soziale Engagement als Merkmal seiner Nachfolger: „Ihr habt mich bekleidet, ihr habt mir zu essen gegeben …“. Mit diesen Gedanken wünschen wir allen Gottes Segen.

Vergebung in demütiger Haltung

Vergebung ist das zentrale Thema im menschlichen Zusammenleben genauso wie im christlichen Glauben. Vergebung, eine ständige Aufgabe im menschlichen Miteinander, häufig schwingen dabei Gedanken mit wie „ich hab‘s noch gesagt“, „lernt der/die denn nichts dazu“, „irgendwann ist mal eine Grenze erreicht“, „dann bin ich halt nochmal gnädig“… Oft wird das aus einer Haltung heraus gemacht, ich bin großzügig, ich müsste nicht vergeben, aber ich vergebe, weil ich ein guter Mensch bin, oder weil ich heute einen guten Tag habe. So eine Großzügigkeit muss natürlich honoriert werden nach dem Spruch „tu Gutes und rede darüber!“ Jetzt mal Jesu Sicht zum Thema, die ist radikal anders. Wir vergeben nicht, weil wir großzügig sind, sondern allein, weil wir wissen, dass uns vergeben wurde. Wer ehrlich ist zu sich selbst, wird wissen, wie viel Vergebung man selbst bereits erfahren hat und kann auch abschätzen, wie viel Vergebung zukünftig noch erfahren wird. Das macht einerseits still und demütig, auf der anderen Seite freudig, dass ich das, was ich selbst an Vergebung erfahren habe, andere durch mich erfahren dürfen.

Mit Gott vertraut leben

In Leo Tolstois „3 Söhne“ heißt es: Drei Frauen wollten am Brunnen Wasser holen. Nicht weit davon saß ein alter Mann auf einer Bank und hörte zu, wie die Frauen ihre Söhne lobten… Die Frauen füllten ihre Eimer und gingen heim. Der alte Mann aber ging langsam hinter ihnen her. Die Eimer waren schwer und die abgearbeiteten Hände schwach. Deshalb legten die Frauen eine Ruhepause ein, denn der Rücken tat ihnen weh. Da kamen ihnen drei Jungen entgegen. Der erste stellte sich auf die Hände und schlug Rad um Rad. Die Frauen riefen: „Welch ein geschickter Junge!“ Der zweite sang so herrlich wie die Nachtigall, und die Frauen lauschten andachtsvoll mit Tränen in den Augen. Der dritte Junge lief zu seiner Mutter, hob die Eimer auf und trug sie heim. Da fragten die Frauen den alten Mann: „Was sagst du zu unseren Söhnen?“ „Wo sind eure Söhne?“ fragte der alte Mann verwundert. „Ich sehe nur einen einzigen Sohn!“ Kinder Gottes sollen sich nicht in geistlicher Akrobatik üben und versuchen zu glänzen, sondern im Bewusstsein der Gnade Gottes durch die Welt gehen und etwas von dem spüren, wie Gott in seiner Gnade auch andere Menschen sieht.

Gottes Herzschlag erfahren

 

Das Thema „Fühlen“ ist sehr kontrovers. Die einen fühlen das leichteste Lüftchen, bei anderen muss es deutlich heftiger sein, bis sie etwas fühlen oder bemerken. Manche meinen sogar, nur das ist real, was sie spüren können.

Unabhängig zu welchem Menschentyp sich jemand zählt, sollte im Glauben der Herzschlag Gottes wahrgenommen werden. Dazu ein paar Aussagen

  • Der Herzschlag Gottes ist für mich nur von Bedeutung, wenn mein Gottesbild im Wesentlichen vom Bild des Vaters geprägt ist, und ich mich auch als Kind Gottes sehe.
  • Mit dieser Grundhaltung kann ich erkennen, wie in unterschiedlichen Lebenssituationen Gott mir persönlich und direkt seine Liebe zeigt.
  • In der Gewissheit Gottes Kind zu sein, wird mir Gottes Herzschlag auch dann bewusst, wenn ich Schuld auf mich lade und ihn darum um Verzeihung bitte und ich gewiss sein darf, dass er mir auch zum x-ten Mal vergeben hat, auch dann, wenn ich mir schon nicht mehr selbst vergeben kann.

Gott segne jeden mit diesen Gedanken und stärke das Vertrauen in unseren himmlischen Vater.

Life is live…

Auf einem Boot im Hafen scheint bei manchen sehr attraktiv zu sein. Einerseits das Bootfeeling, anderseits den vollen Hafenservice und optimale Sicherheit. Manche würden gerne segeln, aber irgendwie fehlt ihnen der Mut und manchmal noch die Erfahrung dazu. Entscheidend ist, gibt es einen Skipper, der Erfahrung hat im Steuern eines Segelboots und ist dieser vertrauenswürdig? Meine Beobachtung ist leider, dass es vielen in ihrer Wohlfühlhaltung stressig erscheint, Verantwortung zu übernehmen, viele sind es auch nicht mehr gewohnt, klar zu kommunizieren (immer unklar bleiben). Wenn etwas tun, dann am liebsten in einem wichtigen Gremium sitzen, in dem man endlos diskutieren und sich hinter der Entscheidung anderer verstecken kann. Gremien und Häfen werden gebraucht, das ist jedoch nicht das Leben. Das Leben spürt man auf dem Meer, im Wind, in der Gemeinschaft und dem aufeinander angewiesen sein als Crew, in dem Vertrauen, dass jeder seine Aufgabe gut erfüllen möchte und zum Skipper, dass er weiß, wo es lang geht und gut führt. Wir wünschen allen eine gut geführte Gruppe, in der man aktiv sein kann und so gemeinsame Erfahrungen macht.

Eine Aufgabe im Leben haben hilft…

In dem Märchen vom Kleinen Prinz trifft dieser auf einen Geschäftsmann. Der will die Sterne kaufen und besitzen. Der Geschäftsmann zählt und zählt seine Sterne, die er zu besitzen glaubt, und ist ungehalten, dass er hierin gestört wird. Nach dieser Begegnung resümiert der kleine Prinz: „Ich besitze eine Blume, die ich jeden Tag gieße. Ich besitze drei Vulkane und jede Woche kehre ich sie. Ich kehre sogar den erloschenen Vulkan. Man kann nie wissen. Es ist gut für meine Vulkane und es ist auch gut für meine Blume, dass ich sie besitze. Aber du nützt den Sternen gar nichts.“ Reich ist der Mensch, er eine Aufgabe hat. Diese Aufgabe bewahrt in guten Zeiten vor Langeweile und in schlechten Zeiten vor depressiver Stimmung. Das ist die eine Seite, die andere Seite, eine erfüllte Aufgabe hilft nicht nur mir selbst, sondern auch anderen und verändert etwas zum Positiven in der Welt. Wir wünschen allen mit Gottes Hilfe ganz bewusst seine persönliche Aufgabe zu sehen und sich darüber zu freuen.17