Termine oder Zeit haben

 

Der heutige Spruch war die Überschrift in einem Online-Magazin und hat mich sofort angesprochen. Braucht man eine Uhr um Zeit zu haben? Sobald ich Termine habe (Frisör, Arzt, Verabredung…), ist Zeit dafür reserviert und ich brauche davor und danach einen zeitlichen Puffer, sonst klappt es nicht.

Die Aussage des anonymen Syrers geht dahin, dass wir versuchen, durch Zeitmanagement so viel wie möglich aus den 24 Stunden des Tags herauszuholen und optimieren an allen Ecken und Enden. Was kann man kürzen, dann könnte man noch einen neuen Termin unterbringen.

Ein Paradox, wir pressen uns in so viel Termine wie möglich, um so nichts zu verpassen – und am Ende haben wir keine Zeit mehr zum Leben.

Ein Terminkalender hat keinen Tiefgang, jedoch ist für das Leben Tiefgang ganz entscheidend.

In der Bibel heißt es im Prediger: „Ein jegliches hat seine Zeit, und alles Vorhaben unter dem Himmel hat seine Stunde…“

Wir wünschen allen Gottes Segen bei der Betrachtung des eigenen Wegs unter der Perspektive Zeit / Termine.

Leuchten von innen heraus

Entlang einer Straße leuchten seit Tagen die Essigbäume, ganz besonders intensiv im Abendlicht. Diesem leuchtenden Rot kann sich so gut wie keiner entziehen, der dort vorbei kommt. Das ist ein schönes Bild für wirkliches intensives Leben.

Jeder kennt solche Momente im Leben, Stunden, in denen wir die Kraft der Liebe besonders spüren. Gleichzeitig wird einem bewusst, dass solche Momente meist nicht lange anhalten.

Im Nachdenken über den heutigen Spruch kamen mir folgende Aussagen von Jesus in den Sinn: Ganz grundsätzlich „Du sollst Gott lieben von ganzem Herzen… und deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“. In Bezug auf Kirche und Gemeinde „daran soll jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, so ihr Liebe untereinander habt!“ und nicht zuletzt aus der Bergpredigt die ungeheure Aufforderung „liebet eure Feinde!“.

In diesen Aussagen geht es nicht um Momente, sondern um eine grundsätzliche Haltung, was zur Konsequenz hätte, dass das wirkliche Leben nicht in Stunden, sondern in anderen Einheiten gemessen werden kann. Einerseits ein fantastischer Gedanke, andererseits eine riesige, ganz persönliche Herausforderung.

Mit diesen Gedanken wünschen wir viele Momente, in denen wir von innen heraus leuchten.

Herbsttage im Leben

Herrliches Herbstwetter, die Sonne gibt mit ihrem warmen Licht allem einen besonderen Glanz und zieht durch ihren tiefen Stand lange Schatten. Alle Objekte bekommen so eine stärkere Tiefenwirkung. So ein Oktobertag beflügelt einen, weil alles um einen herum zu etwas Besonderem wird oder weil man es mit anderen Augen sieht oder genauer, weil man es aus einer anderen Perspektive betrachtet.

Solche Herbsttage sind für das eigene Leben wichtig. Von oben betrachtet der Alltag mit allen Licht- und Schattenseiten, das eigene Tun und Denken. Abstand gewinnen zu einzelnen Punkten, sich das Ganze bewusst zu machen und sich die Zusammenhänge vor Augen zu führen. Was kommt ohne das andere nicht aus.

Für Gläubige hat solch eine Betrachtung eine zusätzliche Bedeutung. Wie sieht Gott mich und meinen Alltag, meine Licht- und Schattenseiten. Diese Sichtweise verringert mache Problembereiche und macht mir andererseits Bereiche bewusst, die durch mich zu wenig Beachtung finden. Das führt zu einem bewussteren und dankbaren Leben, das wir allen wünschen.

Hassprediger erlösen nicht!

Immer häufiger ist in den Nachrichten von Hasspredigern zu hören. Mir tun die Menschen leid, die sich davon fesseln lassen.

Könnte es sein, dass sich Menschen, die auf Hassprediger reinfallen, paradoxerweise tief im Innersten nach etwas ganz anderem sehnen, nach Erlösung?

Könnte es weiterhin sein, dass diese paradoxe Situation ihre Ursache in nicht überwundenen Enttäuschungen hat?

Wenn dem so wäre, wird das Anstacheln von Frust und Hass zur Todesspirale. Dagegen kann Unterstützung zur Aufarbeitung von Enttäuschungen zu einer positiven Wendung führen. Damit können diese Menschen sich von ihren Fesseln befreien und der im Innersten tief verwurzelten Sehnsucht nach Erlösung näherkommen.

Erlösung ist der Kernpunkt des christlichen Glaubens und damit der positive Umgang. „Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt.“(Joh, 13,35)

Wir wünschen allen eine Umgebung, in der man sich bemüht, einen liebevollen Umgang zu pflegen und sich gegenseitig hilft, mit Enttäuschungen umzugehen.

Mit neuen Augen sich selbst sehen

Was Bild, das ich von Gott habe, spiegelt sich in meinem Leben wieder. „Sag mir, mit wem du gehst, und ich sage dir, wer du bist.“ Unser heutiger Spruch geht einen Schritt weiter. Die Neugierde Gott so zu sehen, wie er wirklich ist. Das setzt einen freien Blick voraus, der nicht jedem mit in die Wiege gelegt wurde. Besonders schwer haben es Menschen, die in autoritären Systemen aufgewachsen sind. Wer sich von der aufgedrückten Blickweise nicht befreien kann, wird sich sein ganzes Leben in der Selbsterkenntnis und Gotteserkenntnis äußerst schwer tun.

Wer Gott sehen kann als liebenden Vater und diese Liebe annehmen kann, wird sich selbst leichter annehmen mit all den Stärken, die er hat – ohne dabei abzuheben, mit all den sichtbaren und unsichtbaren Schwächen – ohne sich dabei selbst fertig zu machen.

Wir wünschen allen Augen, mit denen wir das Besondere in Gott, in uns selbst und unseren Mitmenschen sehen können.

Demut ist Unverwundbarkeit

Unser heutiges Foto zeigt das Mahnmal in New York zum Gedenken des schrecklichen Terrorangriffs auf das World Trade Center am 11. Sept. 2001. Gleich nebenan ist ein Museum, das die Dramatik dieser Attacke verdeutlicht und einen erschauern lässt.

Stolz stellt sich immer über andere und ist deshalb besonders leicht angreifbar und verwundbar.

Menschen mit einem hohen Maß an Selbstbewusstsein müssen nicht prahlen oder sich über andere erheben, sondern haben die Stärke, sich ein- und unterordnen zu können, ohne sich selbst dabei aufzugeben. Nach unserem Spruch sind sie damit unverwundbar.

Über das hinaus sind Begegnungen mit demütigen Menschen immer bereichernd.

Für Gläubige wird diese Charaktereigenschaft ein ganz wesentlicher Faktor zum Heil. „Alle aber miteinander bekleidet euch mit Demut; denn Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“ 1. Petr. 5,5

Wir wünschen allen Gottes Segen, Kraft und Stärke zum Wachsen in Demut.

Heilsamer Umgang mit sich selbst

Heute mal ein Foto von mir aus einer ungewohnten Perspektive, wo man mehr von meinem Schatten sieht als von mir selbst.

Das Foto soll helfen, uns heute auf ein paar Fragen zum Nachdenken über uns selbst einzulassen.

  • Gibt es bei mir Gelegenheiten, in denen ich mich aus solch einer Perspektive betrachten und ich mich fragen kann, wo bin überhaupt unterwegs, was mache ich überhaupt?
  • Wenn ich mich so betrachte, wie gehe ich mit meinem Schatten um, den es in unterschiedlicher Größe bei jedem gibt? Kann ich akzeptieren, dass er zu mir gehört?
  • Kann ich heilsam mit mir selbst und meinem Leben umgehen, d.h. ja sagen, so bin ich, so ist mein Leben, manches ist zwar nicht so wie ich es mir wünsche, aber es ist so!
  • Kann ich unverkrampft und mit etwas Kreativität mir Gedanken machen, was ich tun kann, damit das ein oder andere besser wird, nicht nur für ein paar Tage, sondern
    eher dauerhaft und nachhaltig?
  • Hilft es mir, wenn ich mir bewusst mache, dass Gott mich noch viel genauer sieht und mich nicht nur angenommen hat, sondern mich sogar liebt?

Wir wünschen allen Gottes Segen in einen heilsamen Umgang mit sich selbst

Halt bekommen durch die Stütze anderer

Das heutige Thema schwankt zwischen dem Spruch „Denkt jeder an sich, ist an alle gedacht!“ und dem anderen Extern sich für alles und jeden verantwortlich zu fühlen und aufzuopfern solange, bis man selbst zusammenbricht.

In der Mitte zwischen diesen beiden Extremen ist unser heutiger Spruch einzuordnen. Menschen, denen wir eine Stütze sind, d. h. denen zu helfen, die noch irgendwie auf eigenen Füßen stehen können, geben dem anderen automatisch Halt. Das Gegenteil sind Menschen, die sich an einen hängen, das ist nicht nur belastend, sondern gefährdet auch die eigene Balance und Standfestigkeit.

Ich glaube, dass (Unter)Stützung zu einem erfüllten Leben und Miteinander gehört, weil auf ganz natürliche Weise beide stabilisieren. In Prediger 4, 9-10 heißt es „So ist’s ja besser zu zweien als allein; denn sie haben guten Lohn für ihre Mühe. Fällt einer von ihnen, so hilft ihm sein Gesell auf…“.

Wir wünschen allen, Menschen, für die ich eine Stütze sein kann, um damit das eigene Leben zu stabilisieren oder umgekehrt, wenn ich Unterstützung bekomme, dass ich darauf achte, wie ich auch meinem Helfer Halt geben kann.

Sehnsucht immer alles verstehen zu wollen

Diese tiefe menschliche Sehnsucht hat Thomas von Aquin vor Jahrhunderten treffend beschrieben. Der Mensch sehnt sich in seinem Innersten nach einer guten und umfassenden Erklärung für all das, was er erlebt.

Die Frage nach dem WARUM entspringt genau dieser Sehnsucht. Diese Sehnsucht ist das Eine, das Andere ist, dass diese Sehnsucht nicht immer sofort gestillt werden kann.

Die Meldungen in den Medien zeigen mir, dass die Ungeduldigen in letzter Zeit mehr und lauter werden. Sofort nachdem etwas vorgefallen ist, werden (meist immer dieselben) Schuldigen genannt. Feindbilder haben einzig und allein die Funktion, schnelle und einfache Erklärungen für Menschen zu liefern, die etwas Unerklärliches nicht aushalten. Aus meiner Sicht ganz bedauernswerte Persönlichkeiten.

Als Lösungsansatz zu diesem Thema möchte ich an einen Spruch von Vaclav Havel erinnern: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“ Diese Hoffnung kann helfen geduldiger zu werden und positiver zu denken.

Das gilt auch im Glauben, fest zu vertrauen, egal, was wir alles erleben müssen (gerade wenn wir etwas nicht mehr verstehen können), dass ein liebender himmlischer Vater alles in seinen Händen hält.

Hilflos gegen Dummheit, die gerade in Mode ist

In letzter Zeit denke ich immer häufiger, mit was für einem Schwachsinn sich Politiker auseinandersetzen müssen, was für ein Schwachsinn muss ich selbst hilflos in meiner Umgebung ertragen. Der Spruch von Theodor Fontane (gest. 1898) liefert mir eine Erklärung für die Hilflosigkeit gegen Dummheit – MODE, das machen, was alle um mich herum machen, das kann nicht verkehrt sein, wenn die Mehrheit meiner Umgebung etwas tut…

Ein Lösungsansatz sehe in einem Dialog von Jesus: „Wer sagen die Leute, dass der Menschensohn sei?… Wer sagt denn ihr, dass ich sei?“ (Mk 8,27+29). Jesus stellt als erstes die Frage:

  • Was sagen die andern…? Was sagen die (verschiedenen) Medien, was sagen die (verschiedenen) Parteien…

Zur Beantwortung der zweiten Frage sind die Antworten auf die ersten Fragen zwingende Voraussetzung.

  • Was sagst du selbst? Wie ist deine Position?

Wer dies im Leben beherzigt, wird für sich immer einen klaren Weg finden. Unabhängig von aktuellen Trends.

Zur Übertragung ins Glaubensleben: was glauben die Kirchen, was glaubt meine Kirche? Und dann, was glaube ich selbst!

Nur das allein ist entscheidend und bringt mir Heil.
Wir wünschen allen den Mut, die Ausdauer und die Kraft, eine eigene fundierte Position zu finden und zu ihr zu stehen.