„Letzte Rettung“ – lügen mit dem System

Wir erleben immer mehr wie Menschen in ein System gepresst werden, in dem das Zugeben eines Fehlers oder Versagens unverhältnismäßige Konsequenzen nach sich zieht, so dass manche nur einen Ausweg in einer Lügenspirale sehen.

Ein solches System hat meist übermäßig hohe, ja sogar weltfremde Maßstäbe, aus deren strikter Beachtung Menschen als Elite auftreten, die sich damit meist mit großer Verachtung von anderen Menschen distanzieren und ausgrenzen. So erleben wir aktuell, wie „große Kämpfer für die Wahrheit“ häufig auch der Lüge überführt werden. Die das aufdecken, werden dann als Lügenpresse, Terroristen oder in religiösen Systemen als Ungläubige abgestempelt.

Wie unbeschreiblich befreiend ist es zu wissen, dass, wenn ich Fehler mache und Schuld auf mich lade, dies nicht dadurch noch verschlimmert wird, weil ich es verheimlichen muss. Ich darf dazu stehen und kann versuchen, wo es möglich ist, es wieder gut zu machen – zumindest um Entschuldigung bitten.

Dieses Angebot der Gnade ist der Kern des christlichen Glaubens und sprengt alle religiösen Systeme. Jesus erzählte in einer lesenswerten Geschichte mit richtig provozierender Einleitung, wie ein Mensch mit einem einfachen, aber entscheidenden Satz das göttliche Angebot für sich in Anspruch nimmt und gleichzeitig ein scheinheiliges System bloßstellt. Zu lesen in Lukas 18, 9-14

Gesteuerte Unzufriedenheit

Für das Wirtschaftswachstum ist es wichtig, ständig zum Kauf anzuregen. Erreicht wird dies durch die Werbebotschaft, dass ein gutes Gefühl oder eine heile Welt allein von diesem Produkt abhängt. Somit wird ständig versucht, unseren Blick von dem fernzuhalten, was wir bereits haben und womit wir „eigentlich“ zufrieden sein könnten.

Unzufriedenheit ist damit ein wesentlicher Faktor für Wirtschaftswachstum.

Leider sind solche Mechanismen auch in religiösen Systemen zu beobachten. Ständiger Antrieb zum stärkeren Engagement, zu mehr Leistung, zu einem „heiligeren Wandel“, um sich damit das Heil zu erwerben.

Jesus formuliert in der Bergpredigt einfach und klar: „Ihr seid das Salz der Erde…“„Ihr seid das Licht der Welt…“. Johannes schreibt: „Wer den Sohn hat, hat das Leben…“.

Solche Aussagen sind klar und eindeutig, geben Sicherheit, ein hohes Maß an Zufriedenheit und damit ein stabiles Fundament im Leben und im Glauben.

Gott sei von Herzen Dank für solch einen Zuspruch.

Steine können nicht menschlich SEIN

17Viele meinen, in unserer Zeit ist hart sein angesagt, weil man nur so eine Chance hat, nicht kaputt zu gehen.

Ein Lied beschreibt anschaulich, was damit geopfert wird (Link zum Lied).
„Empfindsame Menschen haben’s schwer,
denn sie zeigen ihre Seele offen her,
ob sie wollen oder nicht, es verrät sie ihr Gesicht so sehr.
17
Empfindsame Menschen haben’s schwer,
weil sie immer alles fühl’n, alles spür’n,
weil es tausend Dinge gibt, die sie erschüttern, aber and’re nicht berühr’n.


Ein Diamant verbrennt, genau wie ein empfindsamer Mensch.
Ein Kieselstein übersteht, woran der Diamant zugrunde geht.“

Zum Leben sind Empfindungen unerlässlich, erst Empfindungen ermöglichen Freude, ermöglichen Mitleid, ermöglichen Trauer, sind Basis für Vertrauen, machen Liebe möglich … und sind damit elementar für den christlichen Glauben

Empfindsame Menschen haben es sicherlich nicht leicht, aber sie sind lebendig, sie können sich und andere Menschen spüren, können authentisch sein.

Wir wünschen allen mit Gottes Hilfe darin zu wachsen, anderen Raum zu geben darin zu wachsen und, wo notwendig und möglich, sie auch zu schützen.

Mitmenschlichkeit ist entscheidend

Aktuell demonstrieren einige Staatspräsidenten wie man mit Menschen gnadenlos umgeht, die eine andere Meinung haben. Ich kann nicht nachvollziehen, woher solch gewaltigen Ängste herrühren.

Unser Spruch heute soll aufzeigen, dass nicht das Gemeinsame oder das Trennende das Entscheidende ist, sondern der Umgang miteinander. Jesus formuliert drei Gebote, die die Botschaft des Gesetzes und der Propheten zusammenfassen. Das erste lautet ganz einfach: „So wie ihr von den Menschen behandelt werden möchtet, so behandelt sie auch.“ (Matth. 7,12)

Ich möchte wertschätzend behandelt werden, unabhängig von meiner Leistung, meiner Herkunft oder meiner Überzeugung. Wertschätzend behandelt wissen, so wie ich bin mit meinen Ecken und Kanten, mit meinen Wunden und Fehlern.

Auf dieser Basis ist es um vieles einfacher sich über Gemeinsames und Trennendes auszutauschen, die Position des anderen besser zu verstehen und seine eigene Position zu schärfen. Damit werden wir gemeinsam wachsen. Dies macht teure Investitionen in Mauern und Zäune überflüssig, schafft dafür neue Wege und manchmal auch Brücken.

Geduld … mit der Zeit wird aus Gras Milch

Dieses Bild spricht mich ganz besonders an, da entsteht etwas richtig Gutes, wenn man Geduld hat und darauf vertraut, dass etwas sehr Gutes entstehen kann, ohne dass ich selbst etwas machen muss oder andere zum Handeln antreiben muss.

Jesus erzählt: „Die neue Welt Gottes kann man vergleichen mit einem Bauern und der Saat, die er auf sein Feld sät. Nach der Arbeit geht er nach Hause, schläft, steht wieder auf, und das tagaus, tagein. Im Laufe der Zeit wächst die Saat ohne sein Zutun heran… (Mark. 4, 26-27)

Geduld hat viel mit Vertrauen zu tun, vertrauen, dass Entwicklungen (Wachstum) zur ganz natürlichen Wirklichkeit gehören, und für Gläubige das Vertrauen, dass Gott real wirkt und handelt.

Dieses Vertrauen, das Geduld hervorbringt, kann ein stressarmes Leben bewirken – was für eine Perspektive.

Gott sei Dank dafür!

fröhliches Gewissen, unbeschwertes Herz vor Gott

In einem beispiellosen Machtkampf beanspruchen Personen und Institutionen für sich den Besitz der alleinigen Wahrheit und haben den absurden Begriff „alternative Fakten“ generiert, der Verdrehungen und dreiste Lügen salonfähig machen.

Luther ging vor 500 Jahren gegen solche alternative Fakten und Wahrheiten vor – alleinige Kompetenz zur Bibelauslegung (Besitz der Wahrheit) – Erpressungen auf unterschiedlichste Weise durch Verlust von Seelenheil. Es wurde das Bild eines Gottes geschaffen, das einem Oberaufseher auf einem Wachturm eines Gefängnisses gleicht und der damit grundlegend anders ist als Jesus uns ihn vorgestellt hat –  einen barmherzigen und liebenden Vater.

Der durch Machtspiele „missbrauchte“ Gott verängstigt und vertreibt teilweise Tiefgläubige – das Bild vom liebenden Vater baut auf, gibt Geborgenheit in der Gewissheit, als Kind Gottes angenommen zu sein, sofern ich mich dafür entschieden habe.

Gott sei Dank für diese Gute Nachricht (griech. Evangelium). Dieses Evangelium erleichtert das Leben und bewirkt ein fröhliches Gewissen

Fröhliche Gewissheit

Das Foto ist dunkler geworden als es ursprünglich war, vielleicht ein gutes Bild, dass wir manches düsterer sehen als es ist. Wenn etwas nicht so läuft, kommt meistens dazu, dass man in einer Phase ist, in der die eigene Energie besonders knapp ist.

Jeder kennt solche Zeiten und es ist auch ganz normal, dass es solche Zeiten gibt, auch wenn sie uns nicht gefallen. Wesentlich ist darauf zu vertrauen, dass Gott solche Zeiten zulässt.

Wir müssen Gott auch nicht im Gebet dazu bewegen etwas zu tun, sondern er weiß, was wir bedürfen, bevor wir das im Gebet ausdrücken, und er weiß es schon, bevor wir merken, dass wir überhaupt ein Problem haben. Trotzdem sollen wir mit ihm kommunizieren, mit ihm sprechen – reden ist das Fundament jeder Beziehung, auch der Beziehung zu Gott.

Vaclav Havel sagt: „Hoffnung ist nicht die Überzeugung, dass etwas gut ausgeht, sondern die Gewissheit, dass etwas Sinn hat, egal wie es ausgeht.“

Diese Zuversicht und die von Dietrich Bonhoeffer formulierte fröhliche Gewissheit soll jede Beziehung zu Gott prägen.

Das wünschen wir allen.

Wenn nichts geschieht, geschieht viel!

Viele haben das Gefühl, ausgepowert zu sein, und nicht wenige sind es tatsächlich. Druck von allen Seiten, auch eigener Druck durch gnadenlosen Perfektionismus oder übermäßiges Engagement als unbewusste Kompensation von verdrängten Themen. Oben drauf kommt aktuell der ganz besondere Ansporn von Unternehmen, Vereinen und Kirchen, für ihre Sache besonders zu brennen, und ehe man sich versieht, brennt man so lange, bis man ausgebrannt ist.

Dagegen hilft an erster Stelle nur eines – Ruhe, und zwar regelmäßig und ausreichend.

Von demjenigen, der uns Menschen genau kennt, wurde für uns extra Zeit reserviert – nicht im Minuten- und Stundenbereich, sondern ein ganzer (Ruhe-) Tag. Dieses Geschenk war noch nie so wertvoll wie heute – ein klarer Schnitt zu dem, was uns im Alltag bewegt und (an-) treibt. Freiraum, um Zeit zu haben, für das, was wirklich zählt, für sich selbst, meine Beziehungen zu Mitenschen und zu Gott.

„Kommt alle her zu mir, die ihr euch abmüht und unter eurer Last leidet! Ich werde euch Ruhe geben.“ Matth, 11,28 HfA

Gutes Angebot von unserem Schöpfer – Danke!!!

Traue nicht…

Der Spruch hat bei mir folgendes Bild ausgelöst. Ein Garten, in dem jedes verdächtige Pflänzchen ausgerissen bzw. mit Unkrautvernichtungsmittel bekämpft wird. Bäume, Sträucher und Hecken in klaren exakten geometrische Formen geschnitten.

Mit diesem Bild sagt mir der Spruch, es gibt Orte, wo alles entfernt wird, was nicht der eigenen Vorstellung entspricht. Was übrig bleibt, wird so verbogen und beschnitten, dass es genau den eigenen Vorstellungen entspricht. Das erleben wir aktuell in Staaten, manchmal in Unternehmen, Familien und Kirchen.

Zum Leben aber gehört, dass es neben den gepflanzten und gesäten Pflanzen auch Kräuter gibt, die wachsen, weil ihr Same durch den Wind getragen wurde. Und auch die gesetzten Pflanzen wachsen individuell und haben deshalb ganz unterschiedliche Formen.

Jesus antwortet selbst in einer seiner Geschichten auf die Frage: „Willst du also, dass wir hingehen und es ausjäten?“ – eindeutig NEIN – weil das erst zur bestimmten Zeit und durch dafür bestimmte Fachleute erfolgen wird (Matth. 13, 28—30)

Berechtigtes Misstrauen bewahrt vor Enttäuschungen und fördert die Fähigkeit grundsätzlich vertrauen zu können.

Vergebung der Weg zu Frieden und Seligkeit

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den Weg zu Frieden und Seligkeit beschreibt Luther über die Vergebung. Vergebung kann in mir geschehen unabhängig von anderen. Damit habe ich es selbst in der Hand, ob Vergebung stattfindet oder nicht. Ganz besonders gut gelingt Vergebung, wenn ich gelernt habe, auch mir selbst meine (unangenehmen) Fehler zu vergeben.

Fälschlicherweise wird meist Vergebung und Versöhnung miteinander vermischt. Zur Versöhnung ist ein Gespräch zwischen denjenigen notwendig, die aneinander schuldig geworden sind. In diesem Gespräch bekennt jeder seine(n) Fehler und bittet den andern um Vergebung. Die oben beschriebene Vergebung ist bereits (lange) zuvor geschehen.

Falsche Vorstellungen von Versöhnung gehen davon aus, dass der andere seine Fehler vor mir eingesteht und um Vergebung bittet – oder dass man sich zusammensetzt und mit einem Lächeln der Hilflosigkeit alles unter den Teppich kehrt. Bei manchen Zeitgenossen scheint der Teppich an einigen Stellen bereits die Decke zu berühren.

Vergebung ist nicht nur wesentlich für mein Leben, sondern auch für meinen Glauben. Im Vaterunser bitten wir: „..Vergib uns unsere Schuld, wie wir denen vergeben, die uns Unrecht getan haben…“ Matth. 6,12 (Hoffnung für Alle)

Zurück zum Spruch von Luther: Der Weg zu Frieden und Seligkeit im Leben wie im Glauben geht über die Vergebung der Sünden.

Wir wünschen allen Gottes Segen, Frieden und Seligkeit auf diesem Weg.