Warten, ohne Zeit zu verlieren

In einer Schlange stehen, im Stau stehen, warten bis man dran ist oder dass es weitergeht, nervt mich, es ist für mich unproduktive Zeit und damit Zeitverschwendung.

„Du verlierst keine Zeit, wenn du auf Gott wartest“.

Sind Zeiten, in denen ich nichts tue, wirklich immer unproduktiv? Was passiert denn in der Zeit, in der ich darauf warte, wie Gott auf eine Bitte von mir reagiert?

Erstmal, wenn ich so zu Gott komme, weiß ich, dass ich bei diesem Thema mit meinem Latein am Ende bin.

Damit habe ich Zeit, die ich nutzen kann, um meine Situation einmal von einer höheren Ebene aus zu betrachten:

    • warum ist mir das Thema so wichtig
    • wie ist es dazu gekommen, dass es jetzt akut wurde?
    • wie steht es eigentlich um meine Beziehung zu Gott, ist Gott mir nur richtig wichtig, wenn ich ihn brauche?

Beim Warten auf Gott bin ich auf mich selbst gestellt, wer dies aushalten kann, für den ist das Warten auf Gott keine verlorene Zeit, sondern es kann rückblickend eine sehr wertvolle Zeit sein.

In diesem Sinne wünschen wir allen eine gesegnete Warte-/Adventszeit.

Advent heißt: Aus Heidenangst wird Christusfreude

 

Bei unserem heutigen Spruch ist mir zuerst das Wort „Heidenangst“ ins Auge geschossen, erst dann ist die Wortkreuzung und ganz am Schluss, dass die die zentrale Aussage zum Advent ist.

Dass aktuell viele eine „Heidenangst“ haben, muss nicht ausgeführt werden. Eher kommt die Frage auf, wie kommt es, dass Menschen zwar Sorgen haben aber keine „Heidenangst“, weder gegenwärtig noch vor der Zukunft?

Viele Gläubige wissen ihr ganzes Leben in Gottes Hand geborgen, das beruhigt und gibt Ruhe und Frieden. Aber keine Angst zu haben, heißt eben keine Angst zu haben und nicht Christusfreude. Christusfreude ist eine stabile positive freudige Grundhaltung im Jetzt und Heute und genauso im Blick auf das, was die Zukunft bringen wird.

Advent heißt deshalb nicht „durchkommen“, sondern Freude, dass Christus vor 2000 als Sohn Gottes zu uns auf die Welt gekommen ist und, dass er ein zweites Mal kommen wird, um eine neue Erde zu schaffen – dann ohne Leid und Tod.

Bei Gott geht es immer von der Finsternis ins Licht, nie umgekehrt. Im Advent wird es zunehmen heller, immer eine Kerze mehr. Je dunkler die Umgebung ist, umso mehr wirkt der Strahl des Lichts.

Diese Art von Advent – Christusfreude – wünschen wir allen.

Die Suche nach Gott kann nicht warten

Noch ein Foto vom Christmas Garden in der Wilhelma in Stuttgart. Es fällt an diesem „Christ“mas Garden auf, keine Krippe, kein Kind. Stattdessen ein Nikolaus im Schlitten, illustrer Zauberwald mit Elfen… Die ganzen Lichtermeere, trotz Energiekrise, zeugen davon, dass es um uns dunkel geworden ist, zum anderen sehe ich aber auch gerade darin die Sehnsucht der Menschen nach Gott.

Die Adventszeit ist die Zeit des Wartens und innerlicher Vorbereitung auf Weihnachten. Es scheint aber genau anders zu sein als in unserem heutigen Spruch von George Harrison. Statt „Alles kann warten, nicht aber die Suche nach Gott“ heißt es oftmals „Es passt gerade zeitlich nicht“ oder „sorry, es gibt gerade Wichtigeres, Gott kann warten“.

Die Suche nach Gott gehört elementar zum Menschsein und trotzdem fällt es einem manchmal schwer. Die Suche nach Gott kann eben nicht nebenherlaufen.

Die Adventszeit kann eine Zeit sein, in der man mehr zur Ruhe kommt, Besinnlichkeit aufkommen lässt, um erstmal bei sich selbst zu sein. Dann kann die erfolgreiche Suche nach Gott starten, denn Gott lässt sich so leicht finden, immer wieder aufs Neue.

Mit Leib und Seele leben

Es ist faszinierend welche Kreativität und Genialität Gott in den Menschen hineingelegt hat. Diese Installation im Christmas Garden der Wilhelma in Stuttgart zeigt nur einen winzig kleinen Teil davon.

Gott ist Schöpfer und durch Jesus Christus Erlöser zum Leben, ganzheitlich mit Leib und Seele, d. h. mit allen Sinnen, Verstand und Vernunft. So von Gott beschenkt, macht mich das dankbar und demütig, gleichzeitig verbunden mit einer verantwortlichen Nutzung dieser Fähigkeiten.

Nicht im Sinne des Schöpfers ist es, meinen Verstand über ihn zu stellen – wie es religiöse Fanatiker oft lautstark und medienwirksam zelebrieren.

Es ist auch nicht im Sinne des Schöpfers, wenn meine sinnliche Wahrnehmung zum alleinigen Kompass im Leben wird – Achtsamkeit ist wichtig, aber Achtsamkeit erlöst mit nicht. Provokant ausgedrückt, wenn Achtsamkeit zur Religion wird, bin ich nicht erlöst von meinen Sünden, aber ich fühle mich darin deutlich wohler.

Die beginnende Adventszeit ist eine gute Gelegenheit, in Ruhe besinnliche Zeiten zu erleben, um über mich selbst, über meine Beziehungen zu lieben Menschen und zu Gott zu reflektieren und in sie zu investieren.

Wir wünschen allen eine gesegnete Adventszeit

Ruhe finden…

Das Foto der heutigen Spruchkarte zeigt die Spiegelung eines Hauses in einem der Memminger Kanäle, die die Stadt durchziehen. Für mich ein gutes Bild, je größer die Unruhe desto größer wird die Wahrnehmung verzerrt. Die Aussage von Marie von Ebner-Eschenbach ist Paradox: meist ist die Angst (Unruhe) vor dem eigentlichen Unglück größer, als wenn das Befürchtete dann tatsächlich eingetroffen ist, ja es kann sich manchmal sogar mitten im Unglück Ruhe einstellen. Nach einigem Nachdenken, eigentlich logisch, wenn die Situation da ist, kann ich mich darauf konzentrieren an konkreten Lösungen zu arbeiten. Wie kann der Unruhe durch die Furcht vor dem Unglück begegnet werden? Einen guten Gedanken finde ich in der Aussage von Jesus: „Dies alles habe ich euch gesagt, damit ihr in meinem Frieden geborgen seid. In der Welt wird man euch hart zusetzen, aber verliert nicht den Mut: Ich habe die Welt besiegt!“ (Joh. 16,33) Sich in Jesus geborgen zu wissen ist ein gigantisches Angebot, es ändert nicht die Umstände, viel entscheidender ist meine Sichtweise darauf. Diese Geborgenheit führt zu einer klaren, nicht verzerrten Betrachtung der Situation, oft schon der erste Schritt auf dem Weg zu einer Lösung. Gott sei Dank für diese Gewissheit.

Mensch SEIN braucht Nähe

Es Gefühl, diese beiden jungen Waisengeparde streicheln und kraulen zu können. Ihr intensives Schnurren hat man nicht nur gehört, sondern richtig gespürt. Dieses tolle Erlebnis ist nur bei absoluter Nähe möglich. Es braucht etwas Mut, sich ihnen überhaupt zu nähern, und man muss sich dann auch trauen, sie richtig am Hals zu kraulen Für mich macht diese Erfahrung deutlich, dass die gesamte Schöpfung damals auf Nähe angelegt war und diese Sehnsucht nach Nähe bis heute existiert. Heute ist Nähe nicht immer möglich und auch nicht immer gut, ja Nähe kann in Einzelfällen sogar tödlich sein. Wahrscheinlich nehmen deshalb immer mehr eine distanzierte Haltung ein. Wenn sie etwas äußern, versuchen sie so wenig wie möglich von sich persönlich preiszugeben und reden dann oft aus einer Metaebenesicht, in der sich der Betrachter über die Situation stellt und sich damit aus dem System herausnimmt. Das ist meist hilfreich für die Situation, jedoch Menschen, die dies als Grundhaltung eingenommen haben, verarmen emotional und beziehungsmäßig. Die Schöpfung ist auf Nähe angelegt, auch auf Nähe zum Schöpfer. Durch Nähe sind unbeschreibliche Erfahrungen möglich, die das Menschsein so bereichert.

Sagt mir jemand, wo ich hin will?

Der Spruch von Karl Valentin ist aktueller denn je. Manche Menschen klammern sich in ihrer Orientierungslosigkeit an Machtmenschen, die eine klar alternativlose Richtung ansagen, andere verlieren sich in endlosen Diskussionsrunden, in denen sie hoffen, von anderen in derselben Situation profieren zu können, wieder andere lassen sich von Influencern aller Couleur beeinflussen, um wenigsten IN zu sein, einige investieren in hochdotierte Selbsterfahrungstrips …

Die zunehmende Orientierungslosigkeit wird in den unterschiedlichsten Varianten ganz bewusst ausgenutzt. Dabei gehört die Suche nach dem Sinn und dem Lebensziel zum ureigensten Menschsein, es gehört zum Design des Schöpfers.

Es ist die Suche nach dem, wie Gott mich in meiner Einzigartigkeit geschaffen hat. Auf die Frage: „Können Sie mir sagen, wo ich hin will?“ sagt die Bibel: zu Gott, zu mir selbst und zu meinen Mitmenschen. Der Schlüsseltext von Jesus lautet: “Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe und mit deinem ganzen Verstand! Dies ist das größte und wichtigste Gebot. Ein zweites ist ebenso wichtig: Liebe deine Mitmenschen wie dich selbst! Mit diesen beiden Geboten ist alles gesagt, was das Gesetz und die Propheten fordern.« (Mt. 22,36-40)

Gott sei Dank für dieses Angebot der Orientierung, ohne jeden Zwang.

Die Lösung zur Erlösung

Diesen erstmals lustigen Spruch findet man auf Postkarten, Kaffeetassen… Gut, wenn man zu dieser Erkenntnis kommt, leider ist dies oft nicht der Fall. Eine Lösung, die einmal oder woanders funktioniert hat, wird häufig blindlings als Lösung für andere Probleme angepriesen, manchmal so geschickt, dass sich alle auf die Lösung stürzen und sich nicht mehr weiter mit dem eigentlichen Problem beschäftigen, obwohl evtl. das Problem als solches noch gar nicht erkannt wurde. Martin Luther hat sich lange und intensiv mit dem Problem der Sündenvergebung beschäftigt und dabei festgestellt, dass die angebotenen Lösungen, wie Ablass, Beichte, Vaterunser beten, gute Werke tun, in keinster Weise das Problem der Sündenvergebung reduzieren, geschweige denn gelöst haben. Die Lösungen der Kirche helfen der Kirche, auch die Lösung im Alten Testament (Sündopfer) ist nach Jesu Tod und Auferstehung keine Lösung mehr. Der Schlüsselvers für Luther war Röm. 1, 17 „In der Guten Nachricht macht Gott seine Gerechtigkeit offenbar: seine rettende Treue, die selbst für das aufkommt, was er vom Menschen fordert. Nur auf den vertrauenden Glauben kommt es an, und alle sind zu solchem Glauben aufgerufen. So steht es ja in den Heiligen Schriften: Wer durch Glauben vor Gott als gerecht gilt, wird leben.“ Gott sei von ganzem Herzen Dank für diese (Er-)Lösung.

Evangelium, keine Selbstverständlichkeit

Bei der Formulierung „das Wunder des Evangeliums“ kommt mir der folgende Spruch in Erinnerung: Das Gegenteil von Dankbarkeit ist nicht Undankbarkeit, sondern Selbstverständlichkeit“. Leider ist für viele das Evangelium eine Selbstverständlichkeit, die jetzt keinen mehr vom Hocker reißt und deshalb einen mehr oder weniger kalt lässt.

Evangelium heißt, Gott kommt dem Menschen entgegen, obwohl er die Menschen kennt. Jesus verdeutlicht dies in der Geschichte vom „Verlorenen Sohn“. Zur damaligen Zeit und in manchen Kulturkreisen bis heute ist das Verhalten des Vaters völlig unvorstellbar, spricht gegen alle Werte und Traditionen. Der Vater nimmt eben nicht zur Kenntnis, der abtrünnige ehemalige Sohn scheint wieder im Land zu sein… Nein, der abtrünnige Sohn nähert sich, das sieht der Vater schon, als er noch weit entfernt ist, er rennt dem abtrünnigen Sohn entgegen, schließt ihn in seine Arme und zeigt seine Liebe, indem er ihn sogar küsst.

Evangelium ist ein gigantisches Wunder, neben Umkehr und Nachfolge ist es vor allem die direkte Begegnung mit unserem himmlischen Vater – das ist absolut keine Selbstverständlichkeit, und liegt auch nicht an uns oder unserer Leistung.

Ganz herzlichen Dank dafür.

Wenn es Zeit ist…

Eine Wanderung im Soussuvlei der Namibwüste ist ein ganz besonderes Erlebnis. Soussu heißt blinder Fluss und Vlei ist die Bezeichnung für die weiße Salz-Ton-Pfanne. Blinder Fluss deshalb, wenn es nur alle paar Jahre ergiebig regnet, und dann enden die Wassermassen aus dem Gebirge hier ca. 50 km von der Küste entfernt.

Trotzdem findet man hin und wieder auch grüne Bäume, die es geschafft haben, mit ihren Wurzeln bis zum Grundwasser zu gelangen. Bäume, die diese tiefen Wurzeln nicht haben, haben es schwer, die lange Zeit der Trockenheit zu überleben.

Diese Wahrnehmung sensibilisiert mich, Aktivitäten und Entscheidungen nicht länger hinauszuschieben. Momentan erleben wir, wie innerhalb kurzer Zeit sich dramatisch Dinge verändern.

Es ist deshalb angesagt, aus Klugheit, nicht aus Angst, sich den Themen zu stellen, die aktuell präsent sind und aktiv, mit Familie, Freunden, auch mit Gottes Hilfe, nach guten Lösungen zu suchen.

Noch etwas sagt mir dieses Erlebnis: Wer tief und fest verwurzelt ist in Gott, hat nicht nur festen Grund, sondern auch das Wasser zum Leben. Das ändert nicht die Lebensumstände, aber macht deutlich widerstandfähiger.